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Die Körperseele Po und der Sinn von Bewegung!

Herkömmliche Sportarten wie Fußball, Tennis, Skifahrern, … geben der Bewegung an sich keinen Sinn. Natürlich müssen wir uns bewegen um einen Ball zu treffen, den Berg herunter zu fahren, aber von wirklicher Sinnhaftigkeit der Bewegung kann hier nicht wirklich gesprochen werden. Im Breitensport, insbesondere dem Mannschaftssport, geht es meistens um die Gemeinschaft. Sich gemeinsam bewegen, gemeinsam spielen. Bis hin zur Altherren(Damen)mannschaft, die oft zur Ausrede genutzt wird, um im Vereinsheim ein Bierchen zu trinken. Gemeinschaft halt! Im Leistungssport, werden Bewegungen optimiert, es wird intensiv trainiert um Erfolg zu haben. Im Spitzenbereich zahlt sich dieser Erfolg in barem Geld aus, allen anderen geht es meistens nur um den Leistungsvergleich, bzw. die eigene Leistung immer weiter zu steigern. In den Kampfkünsten ist der Sinn der Bewegung einen Gegner zu schlagen, treten, hebeln oder zu werfen. Im Fitnessbereich steht der durchtrainierte, ästhetische Körper im Vordergrund. Bewegung führt uns zu unserem Traumkörper!

Ich möchte jetzt nicht alle oben genannten Sportarten schlecht reden. Ganz im Gegenteil. Bis auf einige Kampfkünste versprechen die Sportarten nur das was sie auch wirklich bieten. Beim Fußball geht ja nicht um spirituelles Wachstum, oder Energiearbeit. Allerdings möchte ich den Fokus nur auf Bewegung richten und der reinen Bewegung an sich einen anderen Sinn geben.

Was wäre, wenn für uns der Sinn von Bewegung wäre, Körper, Geist und Emotionen zusammenzuführen. Die Bewegung bringt unseren Geist und unsere Gefühlswelt zurück zum Körper, zu einer Einheit. Bewegung als Methode, um unseren Körper zu spüren und unser Körpergefühl zu verfeinern. Wir erfahren unseren Körper dann wieder als Ganzes und nehmen ihn bewusst war. Aber wie können wir uns das vorstellen?

In der TCM wird zwischen der Körperseele „Po“ und der Wanderseele „Hun“ unterschieden. Die Körperseele Po ist eng mit den 7 unbewussten Emotionen verbunden. Sie wird über den Funktionskreis Lunge reguliert und ist deswegen auch eng mit der Haut und den äußeren Gewebeschichten verbunden. Somit ist die Haut als Sinnesorgan eng mit der Körperseele verbunden und bietet uns so auch einen Zugang zur Körperseele. In Giovanni Maciocias „Die Psyche in der chinesischen Medizin“ finden wir dazu:

„Die Körperseele, die eng mit dem Körper verbunden ist, ist das erste was durch Einstechen einer Akkupunkturnadel beeinflusst wird; das sich fast unmittelbar nach dem Einführen der Nadel einsetzende Entspannungsgefühl ist auf eine Lockerung der Körperseele zurückzuführen.“ [Vergl. Giovanni Maciocia: Die Psyche in der chin. Medizin S. 56]

Allerdings ist die Akkupunkturnadel nicht die einzige Möglichkeit die Haut und das Fasziengewebe zu entspannen. Die Übungen des Tai Chi Dao Yin sind sehr gut geeignet, um hier schnell und gezielt zur Entspannung der Faszien und somit zur Beruhigung der Körperseele zu führen, da es während der Durchführung zu einem ruhigen, harmonischen Wechsel von unterschiedlichen Körperspannungen kommt. Das Fasziengewebe wird also durch Zug- und Torsionsspannungen gelockert und elastischer.

Weiter lesen wir bei Macciocia:

„Da die Körperseele ihren Sitz in der Lunge hat, ist sie eng mit der Atmung verbunden. Die Atmung kann als das Pulsieren der Körperseele betrachtet werden.“ [Vergl. Giovanni Maciocia: Die Psyche in der chin. Medizin S. 58]

Die Atmung ist somit ein weiterer Zugang zur Körperseele und kann uns helfen ausgeglichener zu werden und tiefere Entspannungszustände zu erreichen. Das Luo Han Qi Gong führt beide hier genannten Ansätze zusammen. Zu Beginn wird der Körper insgesamt gekräftigt und das Fasziengewebe wird elastisch. Die nächste Stufe im Luo Han Qi Gong ist dann die Harmonisierung der Atmung mit der Bewegung. Je besser uns das gelingt, desto mehr spüren wir eine ruhige, pulsierende Atembewegung am ganzen Körper. Die Spannungsverläufe im Fasziengewebe, die durch die äußeren Bewegungen hervorgerufen werden, synchronisiert mit dem Pulsieren der Atembewegung vermittelt uns ein tiefes Körperverständnis, so dass wir die hier beschriebenen Zusammenhänge tatsächlich zu einer körperlichen Erfahrung werden.

Es mag sein, dass einige Leser jetzt denken: „Was für eine Psychokram; Körperseele, Emotionen, … „ Das kann ich verstehen, aber hierbei handelt es sich um alte daoistische Lehren, die auf Erfahrung beruhen und sich über lange Zeit in der TCM bewährt haben. Wenn wir ehrlich sind und unsere Mitmenschen beobachten erkennen wir das auch. Kein Mensch wird als z.B. ängstlicher Mensch geboren. Aber durch unsere Erfahrungen, die wir machen, können wir zu einem ängstlichen Menschen werden. Erfahrungen sind immer mit bewussten und unbewussten Emotionen verbunden, die sich in unserer Körperspannung manifestieren und unsere Körperhaltung auf die Dauer beeinflussen. Ein Mensch, der in einem „wohlbehüteten, liebevollen“ Umfeld aufgewachsen ist, hat einen anderen Körperausdruck als jemand, der mit ständiger Angst und Gewalt groß wird. Diese Lebensumstände werden als unbewusste Emotionen in der Körperseele „gespeichert“. Andere unbewusste Emotionen können durch Traumata ausgelöst werden. Letztendlich ist jede Begegnung, jede Situation mit bewussten wie auch unbewussten Emotionen verbunden. Die Körperseele, die Ausdruck in unserer Körperspannung findet ist also so etwas wie die „Summe unserer Erfahrungen“. Deswegen „fühlt“ sich jeder Mensch anders an. Menschen, die z.B. Angst vor Veränderung haben, haben häufig auch eine hohe Körperspannung und ihre Feinmotorik ist nicht so ausgeprägt. Durch Bewegung, welche die Körperspannung löst, lässt sich auch der Mut zu Veränderungen steigern. Wichtig ist allerdings die Unterscheidung zwischen unbewussten und bewussten Emotionen. Nur die unbewussten Emotionen werden in der Körperseele gespeichert. Natürlich sind das nur sehr kurz beschriebene Beispiele. Aber vielleicht regt das ja zu eigenen Beobachtungen an!

Die hier beschriebenen Zusammenhänge zwischen Bewegung und der Körperseele funktionieren natürlich wechselseitig. „Falsche“ Bewegung kann unsere Körperstruktur, die Körperspannung und somit auch Körperseele natürlich auch aus dem Gleichgewicht bringen.

Das wirft dann natürlich sehr wichtige Fragen auf:

Was verbinden wir mit Bewegung?

Wie bewusst bewegen wir uns beim Sport?

Wie bewusst bewegen wir uns durch den Tag? – Oder bewegen wir uns zu wenig?

Oder anders gesagt: Wenn wir die Zusammenhänge wirklich körperlich (und nur das körperliche Verständnis zählt) verstanden haben, so haben wir eine geniale Methode in der Hand, um unseren Alltag zu bereichern. Mehr noch, wir werden wieder in die Lage versetzt selbstbestimmt Entscheidungen zu treffen, da wir aufgrund einer ruhigen Körperseele die Dinge viel klarer sehen.

Also welchen Sinn hat Bewegung für euch?!

Faszienfitness – der neue Trend?

Die Fitnessbranche scheint sich nun auch dem Thema Fasziengewebe zu widmen. Auf Focus online habe ich heute den folgenden Artikel entdeckt:

Aufgerollt: Das kann der Fitnesstrend Faszientraining wirklich

Leider geht es natürlich wieder hauptsächlich um die ästhetischen Aspekte der Fitness. Aber das Fasziengewebe kann wesentlich mehr als gut aussehen! Lösen wir die Verklebungen im Fasziengewebe, so beugen wir Rückenschmerzen vor und lösen Spanungsschmerzen auf. Durch spezielle Qi Gong Übungen können wir uns die Bewegungsprinzipien des Fasziengewebes erarbeiten und gelangen so zu einem ganz neuen Bewegungsgefühl. Wir fühlen uns fitter und sind es auch! Je feiner unser Gefühl für das Fasziengewebe wird, desto offensichtlicher wird, dass das Fasziengewebe mehr ist als „totes Gewebe“. Das Fasziengewebe ist durchzogen von Nervenzellen und Mechanorezeptoren. Deswegen bezeichnet Dr. Robert Schleip das Fasziengewebe auch als Sinnesorgan. Jeder, der intensiv Qi Gong betreibt versteht das sofort. Das Gefühl für Spannungen im Fasziengewebe kann so fein werden, dass wir sofort merken, wie z.B. Stress auf unseren Körper wirkt. Bevor die Spannungen auf unsere Körperhaltung wirken, sind wir in der Lage durch Bewegunsübungen und Entspannungestechniken entgegenzuwirken.

Vor einem Jahr gab es einen interessanten Beitrag dazu im SWR: Stoßdämpfer des Körpers

Genaures findet ihr auf diesem Blog in der Kategorie „Gesundheit“.

 Faszientraining ist also wesentlich mehr als Ästhetik!

Waschen Sie sich täglich?

Ich vermute mal, dass diese Frage von allen mit „ja“ beantwortet wird. Morgens stehen wir auf und gehen automatisch ins Badezimmer um uns zu waschen. Nach dem Sport duschen wir, bevor wir aus dem Haus gehen kämmen wir uns die Haare, usw. Überschlagen sie mal die Zeit, die wir täglich für unsere Körperpflege und -hygiene verwenden. Denken sie noch großartig darüber nach? Ich vermute mal nicht. Wenn ich von mir ausgehe, freue ich mich sogar aufs Duschen und genieße es. Danach fühle ich mich wieder sauber und frisch, als ob der ganze Alltag mit all seinen Anforderungen abgewaschen wurde. Ich denke, dass jeder so sein Ritual für sich entdeckt hat. Für meine Kinder ist das Duschen noch eine große Anstrengung. Nicht das Sie es nicht könnten, aber sie haben keine Zeit dafür. Sie wollen lieber spielen und sich dreckig machen. Als Kind war ich auch so. Alles zu anstrengend!
Aber warum der ganze Zeitaufwand? In erster Linie sind da natürlich hygienische Aspekte zu nennen. Regelmäßige Körperpflege beugt Krankheiten vor. Außerdem gibt es natürlich gesellschaftliche Standards, denen wir entsprechen wollen. Und nicht zuletzt macht es ja auch Spaß sich Zeit für sich selber zunehmen.
Aber wie halten Sie es mit der „inneren“ Hygiene? Mein Training ist meine innere Hygiene! Das anstrengende Körpertraining hält meinen Körper fit und gesund. Ich bin beweglich und Bewegung macht mir Spaß.
Das Qi Gong Training öffnet mich für die feineren energetischen Bewegungen im Körper. Es lässt mich Blockaden erkennen und ich kann sie auflösen. Bin ich erschöpft, kann ich so neue Energie tanken.
Die Meditation beruhigt meine Gedanken, klärt meine Gefühle und führt mich zur inneren Ruhe! In dieser Ruhe kann ich mich erholen, ich kann zwischen notwendigen und unwichtigen Bedürfnissen unterschieden. Das schafft Entspannung.
Der Zeitbedarf für dieses Training beträgt 3-4 Stunden täglich.
Oft werde ich gefragt, wie ich mich jeden Tag wieder neu für das Training motivieren kann. Wenn ich mich wirklich noch motivieren müsste, dann würde etwas falsch machen. Das Training ist die Motivation. Oder müssen sie sich motivieren um zu duschen?

Oft kommen Menschen zu mir und wollen etwas für sich machen. Sie wollen Entspannungsübungen, Übungen um Energie zu tanken, um fit zu bleiben, … Zu Beginn des Training sind alle auch glücklich und zufrieden, denn die meisten sind es nicht mehr gewohnt etwas für den Körper zu tun. Nach einigen Monaten ist der „Anfangseffekt“ nicht mehr so deutlich zu spüren, bzw. ist auch schon zur Routine geworden. Allerdings ist das Training an sich noch nicht zur täglichen Routine geworden. Ich meine damit nicht, dass das Training zum Automatissmus wird, wie das Händewaschen auf der Toilette. Das nehmen wir nicht bewusst wahr und genießen es auch nicht wirklich. Aber das Duschen, stylen oder Baden, das genießen wir täglich. Genauso muss auch unser tägliches Training sein! Wir sollten uns täglich unserem Inneren widmen. 30 – 60 Minuten reichen! Wer noch jung ist, der sollte eher körperlich anstrengend trainieren. Diesen körperlichen Zustand müssen wir aber nicht immer weiter ausbauen, deswegen sollten wir nach und nach weiter nach innen gehen, bis hin zu Medittationsübungen. Das ist unsere „innere Hygiene“! Wenn diese zur täglichen Routine wird, dann sind wir entspannt und fühlen uns ausgeglichen.
Natürlich müssen wir uns nach und nach an das tägliche Training heranarbeiten, genauso wie die Kinder ans Waschen. Aber mit der Zeit wird es zu einem wirklichen Bedürfnis. Wie fühlen sie sich, wenn sie sich z.B 3-4 Tage nicht duschen? Ähnlich werden sie sich dann fühlen, wenn sie 3-4 Tage nicht trainiert haben. Wenn sie das feststellen, dann betreiben sie mit dem Training innere Hygiene!
Mein Lehrer sagt immer, dass das letzte Jahrhundert das der körperlichen Hygiene war. Das nächste Jahrhundert ist das der psychischen Hygiene!
Also gehen wir es an!

Luxus?! Was Luxus für mich bedeutet!

Luxus bedeutet in unserer Gesellschaft möglichst viele Statussymbole zu besitzen. Dafür rennen viele oft 50-60 Stunden in der Woche zur Arbeit. Die Begründung ist oft : Alle die Karriere machen wollen, machen das so! Der Lohn dafür ist eine Positionstitel in der Firma und viele Staatusymbole für zu Hause. In den drei Wochen Urlaub im Jahr wird dann alles nachgeholt. Aber was ist der wirkliche Preis für den Titel und die Staatussymbole? Die meisten, die dauerhaft so arbeiten machen sich physisch und psychisch kaputt. Sie verlieren ihr Körpergefühl und somit ihre Mitte.
Um eins klarzustellen: Ich habe nichts gegen Karriere und viel Geld! Die Frage ist immer nur welchen Preis bin ICH dafür bereit zu zahlen. Einige Menschen gehen in ihrem Beruf auf. Sie machen ihn, weil er Spaß macht und für sie selber eine tiefere Bedeutung hat. Wenn man dann zufälligerweise in einer Branche arbeitet, in der sich viel Geld verdienen lässt, ist das doch super. Arbeitet man in einer Branche, wo man nicht so viel Geld verdient, ist es aber auch super. Denn machen wir uns nichts vor: Die Arbeit bestimmt einen Großteil unseres Lebens und zwar nicht nur zeitlich. Erfüllt mich meine Arbeit und macht sie mir Spaß, so fühle ich mich gut. Dann ist der Montag nicht immer eine Qual! Das ist für mich ein sehr großer Luxus.

In unsere Gesellschaft zählen nur die Wachstumszahlen und der materielle Luxus den wir uns leisten können. Ich hatte schon früher einmal eine andere Kennzahl für das gesellschaftliche Wachstum genannt, dass Bruttonationalglück! Die Zufreidenheit der Menschen spielt bei unseren Wachstumskennzahlen keine Rolle, denn dafür gibt es ja Medikamente. Der Verbrauch von Antidepressiva steigt rasant. In den letzten11 Jahren hat sich der Verbrauch der Antidepressiva verdoppelt! Kinder, die es nicht schaffen 8-9 Stunden in der Schule ruhig zu sitzen werden mit Retalin sediert! Wie sollen solche Kinder, die so durch unsere Gesellschaft erzogen werden es schaffen zu sich selbst zu finden? Denn nur dann können sie ihre Zukunft frei und selbständig gestalten und dem permanenten gesellschaftlichen Stress entkommen.

Aber Jammern hilft nicht! Deswegen muss das jeder für sich selbst angehen. Ich plädiere für eine tägliche Körperzeit! 30-60 Minuten Zeit sich bewusst mit dem Körper zu befassen. In der Körperzeit geht es nicht darum den Körper zu trainieren, sondern es geht um Körpergefühl. Das schließt sich natürlich nicht gegenseitig aus, aber die Zielsetzung ist eine andere. Durch z.B. Qi Gong Übungen können wir unseren Körper stärken und nach und nach unser Körpergefühl verfeinern. Haben wir es geschafft unseren Körper wieder wirklich zu fühlen, bemerken wir automatisch, was Stress mit unserem Körper macht. Mentaler Stress drückt sich in unserer Körperspannung aus, der Körper wird hart. Diese körperliche Härte hat gesundheitliche Folgen und lässt uns auch weiter „mental verhärten“. Eine Endlosschleife, aus der wir aber ausbrechen können. Dies gelingt uns aber nur, wenn wir das Zusammenspiel zwischen Körper und unseren mentalen „Programmen“ verstehen. Da gibt es natürlich sehr viele Programme, die wir verstehen müssen, um eine „innere Hygiene“ betreiben zu können.

Im Grunde geht es um zwei Prinzipien:

Der buddhistische Ansatz: Leid entsteht durch Anhaftung
Das daoistische Prinzip von Wu Wei, also Handeln durch Nichthandeln.

In der täglichen Körperzeit können wir körperlich erfahren, was es heißt loszulassen! Durch diese körperliche Wahrnehmung können wir dann in unseren Alltag viel besser lernen loszulassen. Denn dann verbinden wir mit dem Loslassen ein echtes körperliches Gefühl und nicht nur ein intellektuelles Prinzip.
In allen Kampfkünsten gibt es Übungen, die körperlich anstrengend sind. Fangen wir an eine Kampfkunst zu lernen, so müssen wir zuerst die Muskulatur stärken. Das geht z.B. durch das Stehen der Grundstellungen. Nehmen wir eine tiefe Stellung ein, also z.B. den Reiterstand, so merken wir sehr schnell, wie anstregend das Stehen für die Oberschenkelmuskulatur ist. Aber, wir halten das aus! Wir haben ja gelernt, dass Training hart uns anstrengend ist. Es geht ja auch um Krafttraining und wir kennen ja die Bilder aus Fitnesstudios, wo sich knallharte Typen mit Gewichten quälen, oder die Kung Fu Filme, in denen immer eine harte Trainingszeit gezeigt wird. Wir sollen an unsere Grenzen gehen und sie verschieben. Daran messen wir unseren Erfolg. Die Qual müssen wir also ertragen, um Eroflg zu haben. Dieses „Programm“ nehmen wir mit in unser Leben. Im Training ist es eroflgreich und im Berufsleben auch. Also alles eine Frage der Leidensfähigkeit? Tut mir leid, aber so will ich nicht leben!
Ja, ohne Muskeltraining geht es nicht. Aber: Haben wir eine gewisse körperliche Fitness erreicht, so können wir aufhören uns zu quälen! Wir müssen das Programm wechseln, wir müssen loslassen.
Stehen wir Grundstellungen, so merken wir schnell die Anstrengung in den Muskeln. Wir „haften“ gedanklich an und halten die Anstrengung so lange aus, bis wir unsere Zeitvorgabe erreicht haben. Dann erst lassen wir los und genießen unseren „Erfolg“.
Wir müssen aber lernen nicht anzuhaften. Denn dann nehmen wir die Anstrengung gar nicht war, bzw. wir lösen sie auf. Wir lassen uns nicht durch Anstrengung aus unseren Etspannungszustand reißen. Gelingt uns das, so ist keine Anstregung vorhanden und wir können das Stehen genießen. Nicht nur genießen, sondern ich werde schlagartig meine Grenzen sprengen. Hab ich vorher 4-5 Minuten gestanden, schaffe ich dann 20-30 Minuten. Im Prinzip so lange, wie ich es schaffe den Entspannungszustand zu halten. Will ich dann aber am nächsten Tag diesen Erfolg wiederholen, so wird das in der Regel nicht gelingen. Das liegt dann nicht daran, dass meine Muskulatur zu erschöpft ist, sondern daran, dass ich mir ein Ziel gesetzt habe. Möchte ich meinen „Erfolg“ vom Vortag wiederholen, so bin ich wieder in meinem „alten Programm“. Das klingt vielleicht paradox, aber erst wenn ich es schaffe den „Erfolg“ wieder loszulassen, kann ich absichtslos stehen und es schaffen in meiner Mitte zu bleiben. Ich stehe also ohne ein Ziel zu verfolgen oder eine Absicht zu haben. Das entspricht dem daoistischen Prinzip von Wu Wei.
Wie kommen wir aber zu dieser Absichtlosigkeit?
Indem wir ehrlich zu uns sind. Was sind unsere Ziele? Warum mache ich Qi Gong oder lerne Kampfkunst? Diese Antworten sind sehr wichtig, denn oft verschiebt sich unser Motivation. Wir fangen an zu trainieren, weil wir etwas für uns machen wollen, weil uns etwas interessiert und faszieniert. Wir trainieren, lernen neuen Menschen kennen, lesen Bücher, … Mit der Zeit schleichen sich dann Ziele ein, z.T. ohne das wir es bewusst wahrnehmen. Wir wollen eine bestimmte Form lernen, Prüfungen machen, Fähigkeiten ausbauen, usw. Ohne das wir es wollen, haften wir an! Machen Trainingspläne, vergleichen uns mit anderen und wollen unseren Fortschritt kontrollieren. Wir verlassen unseren Anfängergeist, unsere unbestimmte Neugierde und ersetzen das durch Ziele und Pläne. Das hat dann nichts mehr mit Wu Wei zu tun. Das Problem daran ist, dass wir dadurch eine wichtige innere Auseinandersetzung umgehen, nämlich die Frage „Warum trainiere ich?“ Antworten wie „Um Kung Fu Lehrer zu werden“ oder „Weil ich Schwert lernen will“, helfen uns nicht. Dadurch werden nur unsere „inneren Programme“ auf das Training übertragen. Natürlich werden wir dadurch gewisse Fähigkeiten erlangen, aber wir werden definitiv an Grenzen stoßen. Diese Grenzen lassen sich nicht durch mehr oder härteres Training durchbrechen. Auch wenn wir das Trainingspensum nicht als Stress empfinden, stresst es aber unseren Körper und Geist. Wir trainieren ja um etwas zu erreichen, nicht weil es uns gut tut, weil es gerade in den Alltag passt,… Natürlich haben wir feste Trainingszeiten und uns an einen gewissen Rythmus gewöhnt. Aber ist der Rythmus wirklich natürlich oder habe ich mich nur daran gewöhnt? Haben sie ein schlechtes Gewissen, wenn sie nicht trainiert haben? Verspüren sie einen gewissen Trainingsdruck? Das ist der Stress, der verhindert, dass wir tiefere Entspannungszustände erreichen können. Dieses „Leid“ entsteht durch Anhaftung an Zielen, die wir uns selbst gesetzt haben. Wir trainieren also mit einer gewissen Absicht! Und wer sagt uns, dass die Ziele, die wir uns gesetzt haben, auch wirklich die Meilensteine auf unserem Weg sind? Vielleicht erkennen wir irgendwann, dass wir diese Ziele eigentlich gar nicht erreichen wollten. Das wäre dann ein Böses Erwachen!
Deshalb müssen wir uns die Frage, warum wir trainieren regelmäßig stellen! Denn es schleichen sich immer wieder Ziele ein. Diese Frage bzw. die Selbstreflexion über diese Frage führt uns aber zu uns! Zu dem was wir wirklich wollen und nicht zu dem, was wir glauben zu wollen, oder was andere von uns wollen. In dem Artikel „Was ist die Kunst der Kampfkunst“ habe ich diesen Prozess mit den Worten von Großmeister Sun Shi Gang beschreiben:
Kläre dich selbst und kläre deine Beziehungen.

Klären wir uns so nach und nach immer weiter, so finden wir uns! Nicht nur in der Trainingswelt, sondern auch in der „realen“ Welt.
Damit die Körperzeit aber nicht zum Stress wird, sollte unser Ziel einfach nur unser Körpergefühl sein! Wir sollten nicht groß darüber reden. Immer wenn wir uns mit anderen Trainierenden austauschen, „ich spüre die Energie im Körper“, „ich spüre dies und ich spüre das“, wecken wir Bedürfnisse, an denen andere anhaften können. Zum Dank schicken sie uns auch Bedürfnisse, an denen wir dann anhaften. Solche Aspekte sollten nur in Einzelgesprächen mit dem Lehrer geklärt werden, vor allem, da es sich auch um sehr persönliche Belange handelt.
Wir sollten nur trainieren, wenn wir es wollen und wir die Ruhe und Zeit dazu haben. D.h., dass wir z.B. nach der Arbeit erst mal eine Pause machen, zur Ruhe kommen mit unseren Lieben Zeit verbringen. Wir merken dann automatisch, wenn der richtige Zeitpunkt für das Training ist. Manchmal kommt er zwar nicht, dann können wir aber auch eine Pause machen. In dieser Ruhe kann sich die Wirkung der verschiedenen Übungen richtig entfalten, so dass wir immer mehr das Bedürfnis für die Körperzeit entwickeln. Dann üben wir nicht, um ein Ziel zu erreichen, sondern weil es uns gut tut! Alles andere ist dann Nebensache.
Dieses absichtslose „(Trainings-)Programm“ überträgt sich nach und nach in unseren Alltag, da wir über unser Körpergefühl die Stressoren des Alltags erkennen und sie auflösen können. Dann können wir unseren Alltag genießen. Immerhin macht der den Großteil unseres Lebens aus.
Das ist für mich der wahrer Luxus!

Regeln? – Regeln sind was für Anfänger!

Mein Sohn hat die Regeln für sich entdeckt und ist zur Zeit der Regelpolizist in unserer Familie! Er ist im letzten Kindergartenjahr und hat jetzt gelernt, dass es Regeln gibt und das im Kindergarten (natürlich nicht nur dort) die Regeln eingehalten werden müssen. Dementsprechend müssen wir uns zu Hause auch an die Regeln halten, damit er gewisse Regeln verinnerlicht. Das ist nicht immer einfach! Ich wusste gar nicht, wie viele Regeln es im Kindergarten gibt! Natürlich versteht er noch nicht den Sinn aller Regeln, deswegen muss er einfach zuerst die Disziplin aufbringen sich die Regeln zu merken um sie einhalten zu können. Wahrscheinlich kennen viele noch diese Kindergartenregeln, allerdings halten wir sie mit Sicherheit nicht mehr so streng ein wie früher. Warum? Weil wir erwachsener geworden sind und den Sinn der Regeln verstanden haben. Diesen Sinn der Regeln übertragen wir wie selbstverständlich auf Alltagssituationen. Der Sinn der Regeln und unsere Erfahrung ermöglichen uns dann Interpretationsspielräume in der Auslegung der Regeln, so dass wir uns freier und natürlicher bewegen können.
Schön zu beobachten ist das bei Kindern, die anfangen sich im Straßenverkehr zu bewegen. Zu Beginn müssen sie an jeder Straße erinnert werden, dass sie erst nach links und rechts schauen, bevor sie gehen. Haben sie diese ganzen Regeln verinnerlicht, dann fallen ihnen die Erwachsenen auf, die sich nicht an die Regeln halten. Natürlich überquert kein Erwachsener die Straße, ohne sich zu vergewissern, dass die Straße frei ist. Als Erwachsene haben wir den Überblick, wo wir hin wollen, so dass wir frühzeitig den Blick auf die Straße richten können. Wir sehen Lücken und wissen, wann wir über die Straße können. Kinder haben diesen Weitblick noch nicht.
Worum geht es prinzipiell im Straßenverkehr?
Um Präsenz, damit wir uns selber schützen können!
Der zweite Punkt wird leider oft vergessen:
2. Rücksichtsvolles Verhalten! Es gibt Menschen, die sich nicht mehr oder noch nicht so sicher im Straßenverkehr bewegen.

Wenn diese beiden Prinzipien von allen verinnerlicht wären, dann bräuchten wir nicht so viele Regeln und könnten uns natürlicher in Straßenverkehr bewegen. (Ich weiß, dass das natürlich eine Utopie ist, aber hoffen darf man ja!)

Was hat das jetzt mit dem Lernen von Kampfkünsten und Qi Gong zu tun?
Auch für das Lernen von Bewegung gibt es Regeln, sehr viele Regeln, so viele Regeln, dass wir gar nicht alle befolgen können! Da wir gelernt haben uns an Regeln zu halten, haben wir oft den Eindruck, dass der Lehrer, der die meisten Regeln kennt der beste ist, da er scheinbar mehr weiß! Über Regeln können wir uns unterhalten, wir können beobachten, wer sich an diese Regeln hält und wer nicht. Aber haben wir den Sinn der Regeln verstanden? Erkennen wir die grundlegenden Prinzipien, die hinter diesen Regeln stehen? Oder hindern uns die Regeln( ab einem gewissen Zeitpunkt) in unserer natürlichen Entwicklung?
Ich erlebe oft, dass neue Schüler mit Regeln im Kopf zu mir in den Unterricht kommen. Wenn ich sie dann korrigiere und die Korrektur scheinbar gegen diese Regeln verstößt, entsteht Unischerheit. Diese Unsicherheit hält uns aber davon ab, uns wirklich voll und ganz auf eine Lehrmethode einzulassen! Dieses Vertrauen brauchen wir aber, um unsere eigenen Erfahrungen machen zu können, die wir dann natürlich reflektieren müssen. Über unsere eigenen Erfahrungen bekommen wir einen persönlichen Zugang zu der Trainingsmethode. Erst dann beginnt wirkliches Verständnis.
Deswegen die – zugegeben etwas provozierende – Überschrift:

Regeln sind etwas für Anfänger!
Ein Beispiel: Die Knieregel!

Wenn wir in eine Stellung sinken, darf das Knie nicht über die Fußspitzen hinausgehen! Insgesamt sollte sich das Knie immer über der Fußsohle stehen!
So die Regel. Aber welchen Sinn hat die Regel? Sie soll uns vor Verletzungen schützen. Wenn wir zu tief in die Stellung sinken und das Knie zu weit vor den Fußspitzen steht, kann es zu eine Fehlbelastung an der Pantellasehne kommen. Da ist natürlich nicht gut und muss verhindert werden. Aber, diese Regel gilt für Anfänger, die noch nicht genug Gefühl für ihren Körper, insbesondere für die Fußsohle entwickelt haben. Fehlt das Gefühl, so müssen wir uns durch optische, also äußerliche Kontrolle, korrigieren. Ist unser Gefühl für die Fußsolhe aber vorhanden, so können wir spüren, wenn unser Knie falsch steht. Sollte es dann optisch nicht genau über dem Fuß stehen, so ist das nicht mehr schlimm. Wir können diese Regel vergessen, da wir den Sinn verstanden haben und die Essenz Regel verinnerlicht wurde. Wir können spüren, was richtig und was falsch ist. Ein stumpfes einhalten der Regel hindert uns daran, unser Körpergefühl entsprechend zu entwickeln.
Ein weitere Beispiel, die äußeren Zusammenschlüsse, also Schulter – Hüfte, Ellenbogen – Knie und Hand – Fuß. Fehlt mir das Gefühl für diese Zusammenschlüsse, so muss ich durch eine optische Korrektur im Spiegel immer wieder die Zusammenschlüsse korrigieren. Legen wir diese Zusammenschlüsse wirklich hundert prozentig aus, dann können wir uns nicht mehr wirklich bewegen. Aber durch eine äußere Kontrolle der Zusammenschlüsse erreichen wir nach und nach ein kompakteres Körpergefühl. Haben wir das erreicht, so ersetzt dieses Körpergefühl die Regel. Wir arbeiten also dann mit dem Körpergefühl weiter und versuchen dieses zu vertiefen. Natürlich können wir uns zur Kontrolle auch mal wieder vor den Spiegel stellen und mit geschlossenen Augen das kompakte Körpergefühl einstellen. Ob unser Gefühl uns trügt, können wir dann im Spiegel kontrollieren.
Also auch hier gilt, dass die Regel verinnerlicht werden muss und gefühlt werden muss. Dann können wir sie wieder loslassen.
Versuchen sie nur mal die Knieregel und die Zusammenschlüsse bei komplexen Bewegungen einzuhalten. Ich glaube nicht, dass sie dann das Gefühl haben sich natürlich zu bewegen.
Deswegen sind Regeln etwas für Anfänger! Allerdings sind sie wichtig, denn ohne gewisse Regeln werden wir unser Körpergefühl nicht vertiefen können und mangels Körpergefühl kann es zu Verletzungen kommen.
Wir sollten aber immer Chen Xiaowangs oberste Regel beachten:

NATÜRLICHKEIT

Mit dieser Regel hebelt Chen Xiaowang Wang alle anderen Regeln und Pseudoregeln aus! Sehr geschickt gemacht.
Aber wie kommen wir zur „Natürlichkeit“? Indem wir probieren und nach und nach immer mehr auf unseren Körper hören. Wir müssen ausprobieren, wie weit lassen sich Regeln auslegen, welchen Spielraum haben wir? Regeln geben uns eine klarer Struktur vor und somit Halt. Aber wir müssen lernen den Halt in uns zu finden und bereit sein für unser Weiterkommen die Verantwortung zu übernehmen. Regeln sind immer von Menschen für Menschen gemacht und haben ihren Ursprung in persönlicher Erfahrung, die in eine Reglen gefasst wird. Ob diese persönliche Erfahrung sich eins zu eins auf uns übertragen lässt, wissen wir nicht genau. Deswegen sollten wir uns immer über einige Aspekte Gedanken machen:
1. Kann ich denen, die die Regeln aufgestellt haben vertrauen?
2. Welche Abischt wird mit den Regeln verfolgt?
3. Gibt es ein grundlegendes Prinzip hinter den Regeln?
4. Hindert mich die Regel an meiner persönlichen Entwicklung?

Beispiel: Die rote Ampel!
Zu 1: Ja, denn sonnst könnte ich in diesem Land ja nicht mehr guten Gewissens leben!
Zu 2: Andere zu schützen und den Verkehrsfluss zu regulieren!
Zu 3: Ja, in letzter Instanz ist es das Grundgestezt!
Zu 4: Ja, manchmal hindert mich die Regel, gerade dann wenn ich es eilig habe. Aber genauso schützt sie mich und andere. Alles in allem ist sie sinnvoll!
Ob es bei dieser Regel auch sinnvolle Spielräume gibt oder nicht, überlasse ich Ihnen!

Genauso können wir es auch bei der Knieregel checken! Als Anfänger macht die Regel Sinn! Aber irgendwann kann sie mich an meiner persönlichen Entwicklung hindern. Je nach dem wie mein Körperbau ist, je nachdem welche Hüftblockaden ich habe muss ich mir Spielräume suchen! Ich muss ausprobieren. Hindert mich mein Lehrer an dieser Entwicklung, indem er auf Einhaltung der Regeln pocht, so hindert er mich an meiner Entwicklung.

Interessant ist, dass sich der Umgang mit Regeln nicht nur auf diese beiden Themen bezieht. Wie viele Menschen gibt es, gerade in der jetzigen Zeit, die sich willkürlichen Regelwerken unterwerfen, ohne sie zu hinterfragen, einfach nur, um die Eigenverantwortlichkeit abzugeben. Das bezieht sich nicht nur auf religiöse Regelwerke!

Neue Präventionskurse!

Die zentrale Prüfstelle Prävention hat das Kursangebot des Dan Gong Köln als Präventionsangebot zertifiziert. Sie haben also ab jetzt die Möglichkeit, sich die Kurse von Ihrer Krankenkassen anteilig erstatten zu lassen.
Der nächste Kurs beginnt am Montag den 17.11! Noch sind 4 Plätze frei. Bei Interesse einfach vorbeikommen.
Infos: Dan Gong Köln – Das Institut für Bewegung in der Südstadt!

Ich hab Rücken!

Endlich! Endlich hält die Faszienforschung Einzug in die klinische Diagnostik. Interessant ist dabei, dass ein simples Ultraschallgerät reicht. Bleibt natürlich die Frage, ob Orthopäden sich darauf einlassen, da ja dann in vielen Fällen die teure Diagnostik, also Kernspin usw., entfällt.

Eininteressanter Beitrag des SWR und der ARD Mediathek!
Video: Die Erforschung der Faszien: Sind Faszien totes Gewebe? Welch ein Irrtum! (Teil 1)
Video: Die Erforschung der Faszien

Stress – Hektik & Körpewahrnehmung

Körperwahrnehmung, den Körper spüren, Körperbewußtsein, … stehen zur Zeit hoch im Kurs. Es gibt viele Suchanfragen zu dem Thema im Internet, immer mehr Kursangebote machen mit diesen Schlagworten Werbung.
Woran liegt das wohl?
Natürlich gibt es darauf nicht DIE eine Antwort, viele Gründe kommen da in Frage.
Unsere Gesellschaft befindet sich im Wandel von der Industriegesellschaft hin zu einer Informationsgesellschaft. Wissen, Information, Kommunikation – alles Kopfarbeit – sind die neuen Ressourcen unser Gesellschaft. Dabei stört unser Körper. Schon als Kind wird uns beigebracht nicht mehr auf unseren Körper zu hören. Sitz still, jetzt wird nicht getrunken oder gegessen, erst die Hausaufgaben,… Die Kinder sind von 8 bis 16.30 Uhr in der Schule und leider wird die Schule nur als Denkfabrik und weniger als Lebensraum begriffen. Bewegung hat dort kein Platz! Es gibt zu wenig Raum für Bewegung, zu wenig Zeit für Bewegung und zu wenig Bewußtsein für Bewegung.
In der Arbeitswelt geht es dann munter weiter. Wir sitzen viel vor dem Computer, eilen von Termin zu Termin, hier noch ein Meeting, dort eine Telefonkonferenz. Gegessen wird oft zwischendurch, oder mit Kollegen mit denen wir dann über die Arbeit sprechen. Abends sind wir dann kaputt und müde und haben ein schlechtes Gewissen, weil wir wieder nicht zum Sport gekommen sind. Sport!? Da haben wir direkt das nächste Problem! Was verstehen wir unter Sport? In der Schule lernen wir verschiedene Sportarten und das wir trainieren müssen, um Leistung zu bringen. Sportvereine sind oft an Leistungszentren gebunden. Wenn die sportliche Leistung nicht im Vordergrund steht, dann sind es ästhetische Aspekte. Warum? Weil wir daran unseren Erfolg messen können. Entweder können wir mit unserer sportlichen Leistung prahlen, sie in einem Video zur Schau stellen, oder wir stellen unseren fettfreien, muskulösen Körper zur schau!
Aber mit Körperbewußtsein hat das nicht viel zu tun. Denn gerade beim Leistungssport lernen wir nicht auf unsere Körperbedürfnisse zu hören. Der Trainingsplan muss umgesetzt werden!
Der Körper verliert immer mehr an Bedeutung, er verkommt in unserem Bewusstsein zu einer leeren Hülle! Die Hülle pflegen wir zwar, indem wir Kosmetik benutzen, leichte Korrekturen vornehmen im Fitnesstudio oder beim Arzt, … Aber wir verlieren immer mehr das Gefühl für unseren Körper als Ganzes! Die Gesellschaft gibt uns vor, wie ein gesunder, perfekter und erfolgreicher Körper auszusehen hat.
Er muss funktionieren, er darf nicht schmerzen und soll nach Möglichkeit den gesellschaftlichen Normen entsprechen. Im Prinzip wie ein Auto, das wir benutzen um von A nach B zu kommen, mit dem wir einfach mal eine Spritztour machen und angeben können. Am Samstag wird es geputzt, bzw. wir fahren durch die Waschanlage, dann können wir sitzen bleiben.

Aber unser Körper funktioniert zum Glück nicht so! Unser Körper hat auch Bedürfnisse! Das spüren wir vereinzelt und dann fallen uns Begriffe wie Körperbewußtsein, …, die wir googlen können, wieder ein. Am nächsten Tag sind wir dann aber wieder in unserem Hamsterrad gefangen und alle guten Vorsätze werden wieder verdrängt.

Aber: Unser Körper wird sich durchsetzen! Je eher wir das begreifen, desto geringer werden die Folgen sein.
Mögliche Folgen können Rückenschmerzen, Verspannungen, Depressionen, Burnout, Bluthochdruck, Diabetis, … sein.

Wie können wir aber wieder lernen auf unseren Körper zu hören, lernen ihn wieder wahrzunehmen?
Die erste Frage die wir uns stellen sollten ist die, ob wir das wirklich wollen! Denn Körperbewußtsein heißt ja auch auf die Signale des Körpers zu HÖREN, sich also auch danach zu richten! Denn sonst höre ich sie, nur um sie wieder zu verdrängen. Das macht keinen Sinn, sondern schaft nur ein schlechtes Gewissen.

Wir sollten also bereit sein auch etwas in unserem Leben zu verändern. Das heißt jetzt nicht, dass wir unseren Job kündigen und auswandern müssen. Aber wir sollten bereit sein, uns und unsere Einstellungen zu überdenken. Denn es reicht eben nicht aus, „Bewegungspausen“ in unseren Alltag einzubauen.
Körperbewußtsein kann sich nur einstellen, wenn wir unseren Körper auch wirklich fühlen können. Unser Körpergefühl können wir nur verfeinern, indem wir entspannen und unseren Körper trainieren.

Den Körper trainieren:

Das geht nur durch Bewegung! Da die Körperbewegung im Vordergrund steht, sollten die Bewegungen auf das Wesentliche reduziert sein. Je einfacher die Bewegung, desto schneller kann sie automatisiert durchgeführt werden und unser Focus kann auf unseren Körper gerichtet werden. Bei Ballsportarten laufen die Bewegungen auch automatisiert ab, aber der Focus ist auf den Ball gerichtet, danach auf den Gegener, die Mannschaft, …
Da die Bewegungen langsam und bewusst durchgeführt werden müssen, um Zeit zu haben den Körper zu „beobachten“, bieten sich Qi Gong, Yoga, Tai Chi, Kung Fu, aber auch andere westliche Übungssysteme wie die von Ido Portal, Al Kavadlo,…
Allerdings dürfen wir unsere Gedanken nicht einfach frei laufen lassen, wir brauchen eine „Beobachtungsaufgabe“, die unser Bewusstsein auf die Bewegung und unseren Körper lenkt. Dadurch verstärken wir die Vernetzung zwischen unserem Gehirn und unserem Körper. Die Vernetzung drückt sich durch ein gesteigertes Körpergefühl und eine bessere Körpewahrnehmung aus.

Körpergefühl verfeinern

Die Idee von Bewegung bestimmt, wie tief unsere Körpergefühl wird. Generieren wir jede Form von Bewegung in unsere Vorstellung nur durch Muskelkontraktion, so werden wir auch nur das spüren. Dieses Bewegungsbild können wir verfeinern, wir können lernen einzelne Muskel anzusteuern, aber eben nur die Muskeln! Körpewahrnehmung und dementsprechend auch das Körpergefühl finden nur auf der muskulälren Eben statt.
Wenn wir über Bewegung tiefere Ebenen erreichen wollen, brauchen wir auch eine weitreichendere Vorstellung von Bewegung, um diese tieferen Ebenen zu erreichen. Bewegung kann auch über das Fasziengewebe gesteuert werden. Mit der richtigen Vorstellung und entsprechenden Beobachtungsaufgaben können wir unseren Körper soweit trainieren, dass wir dieses Bewegungskonzept umsetzten können. Wir spüren dann, dass die Bewegung anders ist, obwohl sie äußerlich gleich aussieht.
Wichtig: erst wenn wir dieses Veränderung wirklich körperlich spüren, haben wir durch Bewegung und körperliches Training geschafft unser Körpergefühl zu verfeineren. Wir spüren das Fasziengewebe in unserem Körper, so wie wir vorher die Muskeln gespürt haben.
Mehr noch: Wir lernen das Gewebe bewusst anzusprechen um Bewegung und Entspannung zu provozieren.
Haben wir es bis dahin geschafft, brauchen wir wieder eine tiefere Idee von Bewegung!

Durch die erste Bewegungsumstellung Weg von dem muskulären Fokus, hin zum Faziengewebe führt uns vor Augen, dass wir durch Die Verbindung von Bewegung und Vorstellung es schaffen können, andere Bewegungskonzepte in unserem Körper zu entdecken und zu auszuarbeiten.
Das ist das Konzept von Körperarbeit!

Entspannung vertiefen

Das Vertiefen von Entspannung ist immer ein Wechslespiel zwischen einer körperlichen und einer mentalen Umstellung.
Erst wenn wir körperlich spüren, was Stress in unserem Körper auslöst, verstehen wir wie wichtig es ist, diesen abzubauen. Aus dieser Einsicht können wir dann die Motivation und die Energie ziehen, um tatsächlich etwas zu verändern.
Aber was müssen wir ändern? Eine gängige Meinung ist, dass wir, um Stress abzubauen, auf berufliche Erfolge, … verzichten müssen. Am besten kaufen wir uns einen Ökobauernhof um „auszusteigen“. Aber jeder der sich selbständig gemacht hat, egal womit, weiß, dass das viel Arbeit ist. Vielleicht erfüllt uns die Arbeit auf dem Ökobauernhof mit mehr Zufriedenheit, weil wir mehr Sinn in dieser Arbeit sehen, aber das ist ein anderes Thema. Denn wenn meine mentale Konditionierung immer noch auf Leistung jetzt und sofort ausgerichtet ist, werden wir genau den gleichen körperlichen Stress spüren!
Seit der Kindheit hören wir Sprüche wie:“Erst die Arbeit, dann das Vergnügen!“, „Du muss erst einmal was Leisten, dann darfst du mitreden“.
Zusätzlich liegt der Gesellschaftliche Druck schwer auf unseren Schultern. Eine Gute Ausbildung mit einem Notenschnitt von 1,0 muss schon es sein, da man sonst keinen guten Job bekommt. Selbst wenn man einen guten Job hat, haben wir Angst diesen zu verlieren. Wir können es nicht ertragen, wenn andere eher befördert werden, ein besseres Auto fahren, wir meinen ständing erreichbar sein zu müssen,… Diese Mischung aus Leistungsdruck, Unsicherheit und Angst wirkt sich natürlich auch auf unseren Körper aus. Der Körper zieht sich zusammen, d.h die Körperspannung wird stärker. Beobachten Sie mal ihre Körperspannung bei einem spannenden Film! Die ist mit Sicherheit anders als bei einem schön Naturfilm! Wenn ihr ganzes Leben ein Thriller ist, so wird sich ihre Körperspannung dieser Lebenssituationen anpassen.
Also machen wir Sport! Allerdings sind wir so auf Leistung gepolt, dass wir diese auch im Sport bringen wollen. Beobachten Sie sich mal selbst! Wenn Sie mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren und von einem anderen Fahrrad überholt werden, oder Sie werden beim Joggen überholt, … Das können die meisten nur schwer ertragen. Also wird so trainiert, dass das möglichst nicht mehr passiert. Morgens auf dem Weg zur Arbeit können wir den Weg nur genießen, wenn wir am schnellsten sind, sonst sind wir schlecht drauf. Schauen Sie sich die Videos auf Youtube an! Wahnsinn, wie einige mit dem Mountainbike, BMX, Snowboard, usw. umgehen können. Ich schaue mir diese Videos auch gerne an, würde das auch gerne können. Aber mal ehrlich, was glauben Sie wie lange Sie brauchen würden, um ihr Adrenalin nach einer Downhillfahrt wieder auf Normalmaß zu bekommen!

Also: Körperspannung wie beim Thriller!

Wenn Sie den Weg mit dem Fahrrad zur Arbeit genießen, indem Sie die frische Luft bewusst einatmen, die Ausblicke genießen, die Sonne oder den Regen im Gesicht, dann wird Ihre Körperspannung eher der Naturfilmkörperspannung gleichen. Sie kommen entspannter an, nehmen ihr Umgebung viel mehr wahr und können stressfrei anfangen zu arbeiten. Stressfrei und entspannt sind wir viel leistungsfähiger! Zusätzlich nehmen wir auch die sinnlose Hektik der anderen Menschen um uns herum war. Haben wir das wirklich einmal erfahren, dann sind wir motiviert uns auch mental zu bewegen!

Aber wie schaffen wir die Umstellung.
Indem wir uns vornehmen zu bestimmten Zeiten zu trainieren, auch wenn wir eigentlich meinen keine Zeit zu haben. Das Training gehört dann zu unserem Alltag, genauso wie Schlafen, Zähneputzen, … Dann werden wird bewusster trainieren können, da wir vom Tag nicht so ausgelaugt sind. Um aus dem Training Kraft zu schöpfen, sollten wir uns keine Trainingsziele setzen, damit wir einfach nur mit Spaß trainieren. Wir trainieren weil es uns gut tut und nicht um irgendwelche Ziele zu erreichen!
Training als Pause um neue Energie zu schöpfen, nicht um überschüssige Energie abzubauen! Training als Zeitraum um dem eigenen Körper Aufmerksamkeit zu schenken, nicht um einfach nur Kalorien zu verbrennen.

Die Trainingsmethode sollte so ausgelegt sein, dass wir einen mentalen Zugang zu unserem Körper bekommen. Dieser Zugang sollte so tief sein, dass wir durch Vorstellung jede Region in unserem Körper entspannen können. Diese Entspannung ist nicht nur eine gedachte, sondern unsere Vorstellung löst eine konkrete, reale & fühlbare körperliche Reaktion aus. Wenn wir diesen Zusammenschluss zwischen Vorstellung und unseren Körper hergestellt haben, dann können wir Stresszustände sofort bemerken, da unser Körper darauf reagiert. Diese Reaktion können wir dann richtig deuten und durch unsere Vorstellung regulieren.

Es ist wichtig, dass wir das Wechselspiel zwischen Körperspannung und mentaler Verfassung nicht nur logisch verstehen, sondern auch körperlich. Erst dann haben wir einen Zugang gefunden, um aus dem Hamsterrad aus Leistungsdruck, Existenzangst und Unsicherheit auszubrechen. Wir lernen auf unseren Körper zu hören, so dass dieser entspannt ist. Ist unser Körper entspannt, so können wir auch mental entspannen. Das heißt aber nicht, dass wir nicht mehr in der Lage sind Leistung zu bringen. Ganz im Gegenteil! Sie kennen den Spruch:

„In der Ruhe liegt die Kraft!“

Byung-Chul Han: „Die Glatte Gesellschaft!“

Hier der Link zu einem interessanten Interview mit dem Philosophen Byung Chul Han. Es geht um unsere „Glatte Gesellschaft“, Selbstausbeutung und sinnlose Bedarfsorientierung. Die Wurzel des Problems wird gut dargestellt:

Wenn wir nicht wissen wer wir sind, was wir wollen, … werden wir durch irgendwelche Bedürfnisse geleitet. Ob die Erfüllung der Bedürfnisse Sinn macht und gut für uns und die Gesellschaft ist interessiert nicht.
In unsere freien Gesellschaft muss jeder seine Grenzen, Ziele und Visionen selbst definieren! Das ist aber genau das Problem. Viele sind dazu nicht in der Lage, da sie sich an den Merkmalen orientieren, die in unserer Gesellschaft für Erfolg stehen: „Glattes Aussehen & glatte Statussymbole!“
Inneres Glück und innere Zufriedenheit haben in einer äußeren Welt kein Stellenwert! Deswegen werden wir zum Spielball in einer „neoliberalistischen Gesellschaft“.

Aber leider gilt hier nicht der Spruch:

„Problem erkannt – Problem gebannt!“

Denn die Lösung ist ein Prozess. Das reine Erkennen des Problems liefert nicht die Lösungsmethode, aber es kann eine Lösungsbereitschaft generieren, aus der wir unsere Motivation zu Veränderung ziehen können. Dann fehlt nur noch die Methode, mit der wir Verändern können! Eine Methode, die leider immer drastischer in den Vordergrund rückt, ist die Abkehr von der Freiheit durch die blinde Übernahme von orthodoxen, religiösen Wertsystemen und den zugehörigen Regeln.
Für alle die gerne auf ihren Körper hören möchten und Entscheidungen auch aus dem Bauch heraus treffen möchten, habe ich in dem Artikel „Was ist die Kunst der Kampfkunst“ eine traditionelle asiatische Methode vorgestellt.

Viel Spaß beim Lesen der Artikel und beim „Verändern“! (Wie auch immer🙂 )

Warum Körperarbeit?!

Warum nicht! Arbeit kann ja auch Spaß machen, bzw. Arbeit sollte Spaß machen!
Nein, im Ernst. Das Gefühl für unseren Körper geht uns immer mehr verloren. Dabei wurde in allen Kulturen, auch in den westlichen immer auf die Bedeutung der Einheit von Körper, Geist und Seele hingewiesen. Aber warum verlieren wir das Bewusstssein für unseren Körper?
Die Lebensweise in den Industrieländern wird immer bewegungsärmer. Bewegung ist aber der Zugang zu unserem Körper! Unser Körper ist ständig in Bewegung und in unserem Körper ist ständig Bewegung. Die nehmen wir nur nicht war, da unser Körpergefühl nicht fein genug ist.
Die meiste Arbeit verrichten wir im Sitzen vor dem Computer. Durch Schule, Ausbildung, Studium, sind wir es gewohnt, Probleme durch rationales Denken zu lösen. Alles, was wir uns rational logisch erklären können hört sich für uns gut an. Wir lieben es, aus diesem Denken Regeln für unser Leben abzuleiten, damit wir unsere Entscheidungen aus diesen Regeln erklären können. Diese Regeln geben uns Sicherheit und Halt. Die diffusen Körpersignale, die uns unser Körper sendet, verstehen wir oft erst, wenn wir wirkliche Schmerzen haben, vorher leider nicht. Wir spüren also nicht mehr, was wirklich gut für uns ist. Dieses mangelnde Körpergühl versuchen wir dann durch neue Regeln zu kompensieren.
Dadurch wird unser Leben immer „geregelter“ und wir haben ja gelernt uns an Regeln zu halten. Die Ernährungswissenschaft stellt Regeln auf, was wir essen sollen, wann wir essen sollen und wie viel. Wir könnten auch einfach auf unseren Körper hören! Dann würden wir merken, dass wir Hunger haben, wann wir genug gegessen haben. Wir würden merken, dass wir zu viel Fleisch essen, zu wenig Obst, … Ja, dass lässt sich wirklich „fühlen“.
Die Sporwissenschaft stellt Bewegungsregeln auf und definiert Ziele für uns.
Die Gesellschaft sagt uns, welches Auto wir fahren müssen um erfolgreich zu sein, wie ein gesunder Körper aussieht, …
Ich möchte jetzt nicht den Eindruck erwecken, dass ich die oben genannten Wissenschaften für überflüssig oder falsch halte! Aber die Regeln werden von vielen einfach nur übernommen und als absolut betrachtet. Dabei sind viele Regeln auch unter Wissenschaftlern umstritten. Regeln können eine grobe Richtung vorgeben, sollten aber nie unsere Körpersignale ersetzen. Leider passiert aber genau das! Je weniger wir unseren Körper spüren, desto mehr Regeln brauchen wir zur Orientierung.
Aber wie können wir aus diesem Kreislauf ausbrechen?
Ganz einfach: Durch Bewegung!
Allerdings ist Bewegung hier nicht mit Sport im Algemeinen gleichzusetzen. Beim Fußball,… bewegen wir uns auch, aber das Spiel ist wieder durch Regeln bestimmt und das Ziel ist nicht das Körpergefühl zu entwickeln. Die Mannschaft mit den meisten Toren hat gewonnen und „das Gewinnen“ ist das Ziel!
Ich meine aber bewusste Bewegung, Körperarbeit!
Das Prinzip der Körperarbeit lässt sich z.B auch auf das Joggen übertragen! Viele joggen einfach los, weil es Spaß macht! Gut so! Dann fangen aber die meisten an, „Leistungsdaten“ zu messen. Der klassische Fall ist Strecke und Zeit. Je schneller wir laufen, desto besser sind wir geworden. Das meinen wir! Dann können wir noch mit Gewichten laufen, usw. Allerdings können wir durch Laufen auch unseren Gelenken schaden, da wir meistens nicht auf eine gute Lauftechnik achten. Das wäre der erste Schritt zur Körperarbeit. Wir würden zuerst wieder mehr Zeit für die Strecke brauchen, später aber wenn wir die Lauftechnik verbessert haben, fällt uns das Laufen leichter. Wir merken, das uns die Gelenke nicht mehr zu Weh tun, dass wir uns besser von der Straße abdrücken können, … Diese Wahrnehmungen können wir dann auch in unserem Alltag umsetzen. Das wäre eher eine Körperarbeit, die durch eine Korrektur von außen uns ein anderes Körpergefühl vermittelt. Die erste Korrektur der Lauftechnik wird sich auf die Stellung der Gelenke betreffen, so dass wir diese schonen und unsere Muskulatur effektiver einsetzen können. Es gibt aber auch verschiedene Laufstile. Wir können auch lernen, neben der Muskulatur auch das Fasziengewebe mit einzusetzen. Das fühlt sich wieder anders an und auch dieses Gefühl können wir wieder in unseren Alltag mitnehmen.
Sind wir schnell und viel gelaufen, arbeitet unser Kreislauf auf Hochtouren. Das fällt uns oft erst zum Schluss auf! Dann spüren wir den Herzschalg, den Pulsschlag und das Pulsieren des ganzen Körpers. Dieses Pulsieren ist aber immer da, nur wir spüren es nicht! Wir könnten also anfangen beim Laufen darauf zu achten! Ab wann spüre ich es? Wie fühlt es sich an, wenn das Pulsieren noch nicht so stark ist. Kontrollieren wir unseren Puls aber mit technischen Hilfsmitteln, so ist unsere Aufmerkasmkeit nicht auf diesen Aspekt fokussiert. Das wird uns also nicht helfen! Nach und nach können wir es auch im Alltag spüren und leichte Veränderungen wahrnehmen. Wir würden dann merken, welche Ereignisse unseres Alltages Einfluss auf unseren Kreislauf haben. Wir würden also merken, welche Ereignisse uns aufregen und welche nicht. Wir müssten dann nur noch unterscheiden welche Aufregung gut für uns ist und welche nicht!
Wer trainiert aber so achtsam? Die meisten hören Musik und hängen ihren Gedanken nach! Inzwischen sehe ich auch immer mehr, die beim Laufen telefonieren. Welches Ziel wird dann mit dem Training verfolgt? Mit Sicherheit nicht das der bewussten Bewegung.
Was macht also dann die Körperarbeit aus?

Die erste Stufe der Körperarbeit bezieht sich immer auf die Muskel- und Sehnenstruktur des Körpers und trainiert die Koordination. Die Übungen sind allerdings so gestaltet, dass immer nur die reine Bewegung im Vordergrund steht. Bei der Ausübung der Bewegung wird der Fokus immer auf die Körperwahrnehmung gelenkt und die Teinlnehmer bekommen „Beobachtungsaufgaben“. Die Übungen werden nach und nach variiert! Mal werden sie immer langsamer ausgeübt, mal wieder schneller. Übungen werden teilweise so weit reduziert, das wir die Funktionsweise einzelner Gelenke verstehen können. Danach werden die Übungen wieder komplexer, um das Gespürte zu übertragen. Aus einzelnen Übungen werden komplexere Übungsabläufe. Aber beim Praktizieren der Bewegungen achten wir immer auf unseren Körper. Wir versuchen Veränderungen wie Musklebelastung, Körperspannung, Fußsohlenbelastung,… wahrzunehmen. Neben konkreten Beobachtungsaufträgen werden die Übungen durch spezielle Atemtechniken ergänzt. Der Körper wird somit nach und nach kräftiger, beweglicher und geschmeidiger. Unsere Koordinationsfähigkeit steigt genauso wie die Konzentrationsfähigkeit. Durch die Konzentration auf die Bewegung beruhigen wir unsere Gedanken, wir können entspannen, auch wenn die Übungen zum Teil sehr anstrengend sind. Unser Körpergefühl wird nach und nach besser, so dass wir auch im Alltag immer präsenter werden und unseren Körper bewusster einsetzen können. Körper und Geist werden immer mehr zu einer Einheit, so dass wir z. B. nach und nach lernen unser Körpersprache bewusster einzusetzen.
Aber: Wir trainieren nicht um unsere Körpersprache zu entwickeln, sondern weil es Spaß macht! Der Rest passiert dann automatisch!

Haben wir dann so eine Zeit lang trainiert und körperlich einen „guten Zustand“ erreicht, dann nehmen wir unseren Körper auch wieder wahr und haben einen Zugang zu ihm.
Mit diesem Zugang lenken wir dann unseren Fokus aus unser Fasziengewebe. Durch spezielle Übungen und Techniken erarbeiten wir uns die Bewegungsprinzipien des Fasziengewebes. Das Training des Fasziengewebes ist eine ganz neue Bewegungsebene, welche in den wenigsten Sportarten bewusst erreicht wird. Spätestens auf dieser Ebene ist die Körperarbeit mehr als nur Bewegung. Das Fasziengewebe kann aber auch als Sinnesorgan aufgefasst werden. Das Gefühl für unser Fasziengewebe eröffnet uns ein sehr tiefgreifendes Körpergefühl. Auf dieser Ebene können wir anfangen mit Konzepten, wie z. B. der Yin & Yang Theorie, unser Körpergefühl feiner zu differenzieren. Wichtig ist nur, dass wir diese beiden Zustände körperlich spüren können. Erst dann können wir diese Theorie wirklich verstehen. Nach und können wir weitere Zusände in unserem Körper spüren. Wir können unterscheiden, ob sich unser Körper ausdehnt oder zusammenzieht, ob eine Bewegung im Körper nach oben oder nach unten stattfindet. Ab dann können wir zusätzlich mit dem Konzept der 5 Elemente aus der traditionellen chinesischen Medizin arbeiten.
Ein so geschultes Körpergefühl, hilft uns nicht nur körperlich gesund zu bleiben, sondern es kann uns in allen Bereichen unseres Alltags helfen. Wie oft müssen wir an einem Tag Entscheidungen treffen? Meistens versuchen wir klare Entscheidungen zu umgehen. Allerdings belastet uns so ein Schlingerkurs mehr, als das er uns hilft. Es gibt Entscheidungen, die rein rational getroffen werden. Das sind einfache Entscheidungen, die uns keine Probleme bereiten. Also z.B. zu welchem Zinssatz wir einen Kredit aufnehmen, … Fehlen uns aber rationale Entscheidungskriterien fällt uns die Entscheidungsfindung oft schwer. Natürlich kennen wir Sprüche wie „Höre auf dein Bauchgefühl“, oder „Höre auf dein Herz“! Aber wer hört denn seinen Bauch oder sein Herz? Die Sprüche Können wir aber wirklich wörtlich so auslegen. Wir müssen nur wieder lernen unsere Körpersignale zu hören und zu verstehen. Ein Weg dazu ist die Körperarbeit! Körpersignale zu verstehen hilft uns in allen Bereichen, vor allen aber auch in allen zwischenmenschlichen Bereichen.

Körperarbeit kann unseren Alltag bereichern, ihn verständlicher machen und auch verändern! Allerdings ist das nicht das Ziel der Körperarbeit. Das Ziel ist einfach nur das Gefühl für unseren Körper zu verfeinern. Alles andere passiert automatisch. Sobald wir anfangen uns diese „Nebeneffekte“ als Ziel zu setzen, sind wir nicht mehr frei für unser Körpergefühl.
Also wie immer: Der Weg ist das Ziel!

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