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Was ist die Kunst der Kampfkunst?

Immer wieder werde ich gefragt, worin der Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst liegt. In vielen Büchern steht, dass Kampfsport nur auf sportliche Wettkämpfe mit klaren Regeln vorbereitet. Im Kampfsport lerne man also Kämpfen nach Regeln. In der Kampfkunst lerne man demnach Kämpfen ohne Regeln. Also Selbstverteidigung, Überleben auf dem Schlachtfeld, oder kurz richtiges, echtes Kämpfen!

Nun praktiziere ich schon seit 25 Jahren täglich Kampfkunst. Aber ich fühle mich nicht als „Kämpfer“, ich möchte auch gar kein Kämpfer sein!
Für mich ist der Unterschied zwischen Kampfsport und Kampfkunst folgender:

Im Kampfsport lernt man Kämpfen. Eine Kampfkunst lehrt nicht mehr zu Kämpfen!

Wie das? Und Warum?
Fängt man mit Kampfsport/Kampfkunst an, so beschäftigt man sich zuerst mit dem körperlichen Kampf. Im Training kämpft man gegen den inneren Schweinehund und gegen Trainingspartner. Sowohl Kampfkunst wie auch Kampfsport bereiten auf Wettkämpfe vor, bei denen wir im Ring gegen einen Gegner kämpfen, oder Formen laufen. Wir haben Schutzkleidung an, mal mehr mal weniger. Es gibt Regeln, in dem einen Wettkampf mehr, in dem anderen weniger.
Sowohl Kampfsport wie auch Kampfkunst beschäftigen sich auch mit Selbstverteidigung. Im Training werden dann auch entsprechende Szenen nachgestellt. Je tiefer wir in das Kämpfen eintauchen, lernen wir alles als Kampf zu deuten. Dadurch können wir gelernte Kampfprinzipien/Kampfstrategien in unseren Alltag übertragen. Wir bemerken, wie uns das hilft weiter zu kommen. Die gelernte Diziplin hilft uns schwierige Situationen durchzuhalten. Also z.B. harte Arbeit, intensives Lernen, … Wir erkennen, dass z.B. Diskussionen auch nicht anders sind als Kämpfe. Gelernte Strategien lassen sich also auch dort anwenden. Im Straßenverkehr herrscht Kampf, in der Firma herrscht Kampf, in der Familie, überall. Aber hilft uns diese Erkenntnis wirklich weiter? Meiner Meinung nach nicht. Kampfsport/Kampfkunst hilft uns dort besser zurechtzufinden, hilft uns die Mechanismen zu verstehen, aber wir kämpfen noch. Wir kämpfen vielleicht besser als viele andere, aber wir wissen auch, dass es immer einen Besseren gibt. Im Training haben wir uns unseren Aggressionen gestellt, haben sie angenommen und gelernt sie zu kontrollieren, um sie bewusst für uns einzusetzen. Aber wir haben sie noch nicht aufgelöst, sie sind noch in uns.
Genau dieses Kämpfen ist es, was wir meiner Meinung nach überwinden müssen, denn dann haben wir eine Methode gefunden, um unsere Aggressionen aufzulösen. Nehmen sie die Talkshows wie z.B Günther Jauch, Maybritt Illner, … Dort treffen sich regelmäßig Repräsentaten unserer Gesellschaft und kämpfen um ein Thema. Was hilft uns das? Nichts! Denn es wird nicht nach einem Konsens gesucht, oder nach Lösungen. Es gibt noch nicht einmal einen klaren Sieger! Alle Beteiligten gehen wieder auseinander, um in der nächsten Talkshow weiter zu kämpfen. Aber es ändert sich nichts. Der Kampf war vielleicht nett anzuschauen, genau wie ein Boxkampf, mehr aber nicht. Prinzip: Brot und Spiele! Leider überträgt sich dieser Kampf auch auf unser tägliches Leben.
Auf der Straße wir um jeden Meter, jede Sekunde gekämpft. Autofahrer gegen Fahrradfahrer oder gegen Fußgänger, Fahrradfahrer gegen Auto und Fußgänger, …
Das Ergebnis ist, dass ALLE Beteiligten gestresst sind. Aber egal, morgen geht es genauso weiter.
Diese Kämpfermentalität spaltet unsere Gesellschaft in Freund und Feind. Denn ohne Gegner müsste ich ja nicht kämpfen.

Wäre es nicht sinnvoller Talkshows so zu gestalten, dass am Ende ein gemeinsamer Konsens stehen würde? Das würde allerdings voraussetzen, dass es den Beteiligeten tatsächlich um das Problem und dessen Lösung ginge. Meistens geht es aber um Positionskämpfe. Es fehlt eine gemeinsame Basis für das Leben in unserer Gesellschaft.
Wie nützlich so eine gemeinsame Basis sein kann, um das Wachstum einer Gesellschaft nicht nur über das Wirtschaftswachstum zu definieren, zeigt das Königreich Bhutan. Dort wurde als wichtiger gesellschaftlicher Faktor das „Bruttonationalglück“ eingeführt. Dieses gilt als Indikator für die Zufriedenheit der Menschen. Wirtschaftliches Wachstum auf Kosten des Bruttonationalglücks ist gesellschaftlich nicht gewollt! Mehr über das Bruttonationalglück!
Wir sehen nur uns, unsere Interessen und kämpfen dafür. Beobachten Sie mal den Straßenverkehr. Das ist purer Kampf. Halten Sie doch einfach mal an und lassen andere vor. Nehmen Sie einfach mal Rücksicht auf andere. Das setzt natürlich die Wahrnehmung für andere und dessen Bedürfnisse voraus. Aber man wird ihnen in den meisten Fällen mit Dankbarkeit begegnen. Diese Dankbarkeit ist angenehmer, als der gewonnene Kampf.

Aber wie schaffen wir das? Wir brauchen Methoden, durch die wir lernen andere Menschen und deren Bedürfnisse erst einmal wahrzunehmen. Wir müssen lernen im Moment zu leben. Das schaffen wir auch durch Kampf, denn wer im Ring an Morgen denkt, hat schon verloren. Allerdings stehen dort die eigenen Bedürfnisse, nämlich das Gewinnen, im Vordergrund. Wir brauchen also Methoden, um das Streben nach dem „Gewinnen wollen“ zu überwinden.
Der Weg dazu hört sich recht einfach an:

Kläre dich selbst und deine Beziehungen (vor allem zu den Eltern/Familie). Finde deine Talente und benutze sie, um für die Gesellschaft zu arbeiten und um deinen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Wir brauchen Methoden, die uns zu uns „selbst“ führen, damit wir erkennen können, was wir wirklich wollen. Nicht was wir glauben zu wollen. Durch unsere Erziehung ( Eltern, Schule, Gesellschaft) werden wir geprägt, uns wird vermittelt wie wir sein sollen und welche Ziele wir erreichen sollen. Aber sind das wirklich unsere?! Haben wir das geklärt, so erkennen wir die Beziehungsmechanismen und können uns ihnen entziehen. Erst dann sind wir wirklich in der Lage unsere Position in der Gesellschaft zu finden und sie einzunehmen. Dieses Gefühl, sicher zu sein, was man wirklich will, schafft Zufriedenheit. Aus dieser Zufriedenheit heraus können wir andere Menschen ganz anders wahrnehmen und lernen nicht mehr gegeneinander zu kämpfen.
Allerdings muss dass jeder für sich überwinden. Eine Kampfkunst bietet Methoden genau diesen Weg zu gehen. Deswegen mache ich für mich genau da den Unterschied. Bietet mir ein Kampfsystem eine solche Methode, dann ist es eine Kunst, sonst ist es nur Sport!

Der Wettkampfgedanke in den Kampfsportarten drängt die traditionellen Methoden in den Hintergrund! Ein Wettkampf ist immer auf den Vergleich mit anderen ausgelegt. Dieser Vergleich lenkt unsere Aufmerksamkeit aber von uns weg. Die persönliche Entwicklung tritt damit in den Hintergrund. Im Vordergrund steht die Vorbereitung auf den Wettkampf. Aber nicht nur der Wettkampf ist auf den Vergleich ausgerichtet, sondern auch die ganzen Prüfungssysteme in den Kampfsportarten. Hat man die eine Prüfung bestanden, so fängt man schon mit der Vorbereitung auf die nächste an. Irgendwann wird die Prüfungsvorbereitung zum einzigen Trainingsinhalt. Die Inhalte für die nächste Prüfung sind wichtiger, als die Übungen für die persönliche Entwicklung. Durch eine bestandene Prüfung hat man ja die geprüfte Sicherheit, dass man besser geworden ist. Eine bestandene Prüfung zeigt auch an, dass man besser ist als diejenigen, die diesen Grad noch nicht erreicht haben. Aber leider ist das kein Zeichen für die persönliche Entwicklung.
Wir müssen lernen mit unserem Körper zu arbeiten. Der weis nämlich was gut für uns ist! Wir brauchen Übungen, die unser Köpergefühl verfeinern. Dann können wir wirklich körperlich fühlen, was gut für uns ist und was nicht. Durch dieses „Spüren“ können wir uns selber zu klären. Es gibt Übungen, die uns helfen zu entspannen, indem sie muskuläre Verspannungen, bzw. Verklebungen in dem Fasziengewebe lösen. Ist unser Körper wieder beweglich und gelöst, so können wir auch feine Veränderungen in ihm spüren. Nach und nach lernen wir wieder dies Reaktionen zu deuten, unser „Bauchgefühl“ kommt zurück. Erst dann sind wir eigentlich in der Lage bewusste und eigenständige Entscheidungen für unser Leben zu treffen. Wir sind mit uns im Reinen und müssen nicht mehr kämpfen!
Wir können uns in bestimmten Situationen viel besser zurücknehmen und können andere auch mal „vorlassen“.
Es ist also wieder möglich auch an die Bedürfnisse der anderen Mitmenschen zu denken und

„wenn jeder an jeden denkt, ist an alle gedacht.“

Viele Antworten auf diesen Spruch: „Wenn jeder an sich denkt, ist auch an alle gedacht!“ Logisch betrachtet stimmt das! Unsere Gesellschaft beweget sich meiner Meinung nach leider auch genau in diese Richtung.
Aber in welcher Welt würden sie lieber leben wollen?

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Zen Fitness

Zen Fitness ist ein neuer Trend aus den amerikanischen Fitnessstudios. Es wird versucht den modernen Fitnessgedanken mit mentalen Entspannungsübungen aus dem Zen Buddhismus zu verbinden. Ziel ist es, den Körper zu trainieren, aber gleichzeitig auch einen Ausgleich zum stressigen Alltag zu schaffen.

Was ist davon zu halten?
Generell finde ich jeden Trend, der Menschen zur Bewegung führt gut! Allerdings sollte man sich im Klaren sein, was man selber möchte und ob das mit dem jeweiligen Angebot zu erreichen ist. Die Kombination aus Entspannung und Fitness finde ich sehr gut, da sie das Potenzial in sich trägt einer sehr reduzierten aber weit verbreiteten Fitnessidee entgegenzuwirken. Der gängige Fitnessgedanke reduziert sich meisten auf die Fettverbrennung und ästhetische Körpermodulation, oder auf die Menge der Gewichte die bewegt werden können. Manchmal hat man den Eindruck, dass viele noch nicht einmal Spaß dabei haben. Sie hetzen nach der Arbeit noch mal eben kurz ins Fitnessstudio, dann schnell nach Hause oder zum Treffen mit Freunden, etc. Warum? Weil es so gemacht wird und ein durchtrainierter Körper gerade in ist. Aber eigentlich schafft das Training nur noch mehr Stress und das Training selber trägt meisten auch noch zur Muskelverhärtung bei, da oft einfach falsch und einseitig trainiert wird. Einfacher und gesünder wäre es dann zu einem Chirurgen zu gehen!

Zen Fitness kombiniert nun Fitnessübungen mit Entspannungsmethoden aus dem Zenbuddhismus. Allerdings kann das nur funktionieren, wenn man sich darauf einlässt und dem Training mit der Entspannung wirklich Zeit einräumt. Mal eben zwischen zwei Terminen trainieren und eine Zenübung praktizieren wird mit Sicherheit nichts an dem Einwegfitnessgedanken ändern und somit keine Früchte tragen. Weiter sollte man sich fragen, wie tief man in die Zenmeditation einsteigen möchte. Zenmeditation ist nicht mal eben so in einem einjährigen Weiterbildungskurs zu lernen. Deswegen widmen die Zen Mönche ihr ganzes Leben der Meditation. Kurz gesagt: Welche Qualifikation ist in diesem Bereich von einem Fitnesstrainer zu erwarten? Vor allem in einer Billigfitnessketten?

In erster Linie sollte sich die Einstellung zur Fitness ändern. Zenfitness meint eigentlich nichts anderes als „Ganzheitliche Fitness“, umfasst also Körper und Geist! Dazu müssen wir uns Zeit nehmen, um bewusst zu trainieren. Es reicht eben nicht aus sich auf das Spinnigbike zu schwingen, danach an die Hanteln um sich dann noch eben 10 Minuten in den Raum mit der Klangschalenmusik und Räucherstäbchen zu setzen, um sich zu entspannen. Das wird nicht funktionieren. Wir müssen lernen auf unseren Körper zu hören und unser Körpergefühl zu entwickeln. Wir brauchen Übungen, die unsere muskulären Verspannungen lösen und gleichzeitig die Muskulatur stärken. Eingeklemmt in eine Fitnessmaschine wird man keinen Erfolg haben. Krafttraining sollte funktional sein und den Entspannungsgedanken in die Übung integrieren. Je besser wir bei diesen Kraftübungen entspannen können, desto mehr trainieren wir auch unser Fasziengewebe. Unsere Aufmerksamkeit sollte auf unseren Körper und das korrekte Ausführen der Übung gerichtet sein. Wir müssen lernen während der Bewegungen in unseren Körper zu spüren. Das wird nicht gelingen, wenn wir uns dabei unterhalten oder unseren Gedanken nachhängen. Dazu brauchen wir genaue „Beobachtungsaufträge“, die uns auf die richtigen Aspekte der Bewegung stoßen. Diese Beobachtungsaufträge werden in den „Entspannungsübungen“ ( Der Begriff reicht bei weitem nicht aus, um die Übungen zu beschreiben. Eigentlich geht es hier um Qi Gong Übungen) vermittelt.
Zusätzlich müssen wir auch aufhören uns mit anderen zu vergleichen. Es kommt nicht darauf an, wer am meisten Gewichte stemmt, am längsten auf dem Rad sitzt, … Wir müssen weg von dem Sportgedanken „schneller, höher und weiter“, da dieser den Vergleich mit anderen impliziert. Siehe auch: Warum wir trainieren! Wir müssen lernen uns auf unseren Körper zu konzentrieren, um ihn wahrzunehmen, bevor er uns Schmerzen bereitet. Diese Aufmerksamkeit können wir dann mit in unseren Alltag nehmen. Training und Alltag verschmelzen sich somit immer mehr und wir lernen wechselseitig zu profitieren.
Gezielte Entspannungsübungen helfen uns unseren Geist zu beruhigen, um ihn dann auf unseren Körper zu fokussieren. Andere Meditationsübungen helfen uns unsere Emotionen zu klären, um tiefer in die Entspannungen eintreten zu können. Ob diese Übungen aus dem Buddhismus, Daoismus, etc. kommen spielt keine Rolle. Die Authentizität der Übungen und die Qualität der Vermittlung sind entscheidend. Vor dem Hintergrund der Körperfitness ist zu dem wichtig, wie gut die Entspannungsübungen auf die Kraftübungen abgestimmt sind. Es kommt also, wie so oft, auf das Gesamtpaket an. Ein sinnloses Aneinanderreihen von Übungen wir nicht das bringen, was leider so oft versprochen wird.
Neben traditionellen buddhistische oder daoistische Übungssysteme bieten die traditionellen Kampfkünste eigentlich eine gute Grundlage für diese Sicht von Fitness, da sie natürlich viele dieser klassischen Übungssysteme aus den entsprechenden Klöstern integriert haben. Leider steht bei viele Schulen und vielen Praktizierenden allerdings die Kampftauglichkeit bzw. die Kampffähigkeit im Vordergrund. Ob ich mich auf sportliche Wettkämpfe, Freefighttuniere oder Formenwettmämpfe vorbereite spielt dabei keine Rolle, denn der Wettkampf, also der Vergleich mit anderen, steht im Vordergrund. Nach und nach wird genau dieser Vergleich aber zu unserem Trainingsziel. Wir möchten besser sein als andere. Somit ist ein großer Teil unseres Fokus auf genau diesen Vergleich ausgelegt und nicht mehr auf unser Körpergefühl.
Unser Training sollte absichtslos sein und einfach nur Spaß machen! Wir, also unser Körper und unsere „Seele“ sollten im Vordergrund stehen! Nicht irgend ein Vergleich, ästhetische Ziele oder die Fettverbrennung sollte uns wichtig sein, sondern unsere ganzheitlich Entwicklung. Genau diese Idee wird aber in buddhistischen und daoistischen Tempeln praktiziert! Also wieso nicht von diesen alten, aber sehr bewährten Methoden profitieren?!
Keine Angst, wir müssen jetzt nicht zu Nonnen oder Möchen werden um einen ganzheitliche Fitnessidee zu verfolgen. Es gibt genügend Übungssysteme, die außerhalb von Klöstern unterrichtet werden. Natürlich haben diese Methoden auch unterschiedliche Schwerpunkte, aber es gibt auch Systeme, die körperlich sehr kräftigend sind und trotzdem zur Entspannung führen. Ein Beispiel für so eine Methode ist Luo Han Gong System aus dem Schaolintempel. Kurz beschrieben handelt es sich dabei um Eigengewichttraining, welches auch die Körperkoordination schult. Durch eine bewusste Atemführung wird der Köper zur Entspannung geführt und die Bewegung mit der Atmung harmonisiert. Die Gedanken werden somit automatisch auf die Bewegung fokussiert.


Diese klare, sehr auf das wesentliche reduzierte Idee von Fitness braucht keine Geräte, Maschinen oder besondere Kleidung. Es kann überall und jederzeit trainiert werden. Deswegen wird diese Idee von Training immer populärer, wie zum Beispiel die Workouts von Al Kavadlo und Ido Portal zeigen. Weg von der Kommerzialisierung, dafür hin zum ehrlichen Spaß an Bewegung und dessen Perfektionierung. Die eben genannten Beispiele zeigen auch, dass es nicht immer gleich mit Buddhismus oder Daoismus zusammenhängen muss, aber diese sehr absichtslosen Trainingsmethoden passen sehr gut zu den „Workouts“ aus den Kölstern!

Also geht raus aus den Fitnesstudios an die frische Luft! Sucht nach Trainingsmethoden, die eine ganzheitliche Idee verfolgen und nicht den sportlichen Vergleich in den Vordergrund stellen, sondern nur den reinen Spaß an Bewegung! Trainiert absichtslos und das täglich, am besten: immer und überall!

Energietransport Teil III

Übungsmethodik

Die Methodik ist eigentlich recht einfach und umfasst im wesentlichen 4 Aspekte:

Entspannung, damit wir überhaupt in der Lage sind Neues in unserem Körper zu spüren.
Verspannungen in den Muskeln und Faszien lösen.
Ein Gefühl für die Bewegung im Fasziengewebe entwickeln.
Die richtige Vorstellung entwickeln.

Die vier Aspekte lassen sich nicht voneinander trennen, da sie sich gegenseitig beeinflussen. Aber um es nicht ganz so kompliziert zu machen, werde ich sie einzelnd erklären.

Entspannung:
Allein zu diesem Thema könnte man ganze Bücher schreiben. Aber keine Angst ich werde mich kurz fassen. Das wichtigste ist, zu wissen was mit Entspannung gemeint ist. Entspannung heißt nicht mit einer Flasche Bier auf dem Sofa lümmeln und Fernsehen zu gucken. Das ist ausruhen, bzw. abhängen/chillen!
Körperliche Entspannung heißt, dass wir immer den optimalen Zustand zwischen Spannung und Nichtspannung herstellen und zwar in jeder Position.
Ein Gewichtheber kann während seiner Übungen entspannen, indem er seine Muskulatur nur in dem Maße beansprucht, wie er sie für das Heben den Gewichtes benötigt. Alles andere sollte er entspannen. Er sollte nicht denken, den zu viel denken verursacht Stress. Stress übt über das Fasziengewebe eine Spannung auf unseren Körper aus. Unser Spannungszustand erhöht sich.
Zu starke Emotionen wirken sich ebenfalls auf den Spannungszustand unseres Körpers aus. Aber keine Angst, würde dürfen uns freuen, dürfen trauern, …, wir sollen es nur nicht übertreiben!
Probieren Sie es aus! Machen Sie eine Wanderung zu einem schönen Ort und genießen Sie die Aussicht. In diesem Moment spüren Sie Ihren Körper, da Sie sich angestrengt haben. Wenn Sie im sitzen die Aussicht genießen, denken Sie nicht. Diese körperliche und geistige Ruhe führt Sie in einen tiefen, sehr angenehmen Entspannungszustand.
Wir müssen also ein Gefühl dafür entwickeln, was eine natürliche Beanspruchung ist, und was wir, aus welchen Gründen auch immer, noch extra an überflüssiger Spannung hinzugeben. Diese zusätzliche Spannung kann Ausdruck von mentaler Verspannung oder emotionale Verspannung sein. Diese Ebenen von Entspannung dürfen wir nicht vergessen. Für die körperliche Entspannung brauchen wir aber auch Kraft. Je nach Position mehr oder weniger. Entspannung kann also, je nach Position, anstrengend sein.
Paradoxer Weise entspannen sich viele nicht unbedingt bei Entspannungsübungen. Das Problem ist, dass die meisten zu Beginn entspannen können. Je mehr sie allerdings über Entspannung, Energiearbeit, … wissen, desto mehr wollen sie es erleben. Das Problem wird dann das „Spüren wollen“. Der „Geist“ begibt sich dann auf die Suche und wir verkrampfen weil wir uns Übungsziele gesetzt haben, die wir schnell erreichen wollen!

Verspannungen
Verspannungen können sowohl im Muskelgewebe, wie auch im Fasziengewebe auftreten. Der menschliche Körper macht es uns in seiner Komplexität nicht gerade einfach, deswegen gibt es auch bei Muskel- bzw. Faszienverspannungen wieder eine wechselseitige Beziehung. Hauptursachen sind Stress, zu wenig Bewegung, einseitige Bewegung, falsche Haltung, … Viel wichtiger als mögliche Ursachen zu benennen, ist für mich der Aspekt, wie wir Verspannungen wieder auflösen können. Erst dann sollte man versuchen individuell zu klären, wie man eine erneutes Auftreten verhindern kann.
Der wichtigste Aspekt zum Auflösen von Verspannungen ist Bewegung. Die Bewegungen sollten bewusst, langsam und mit entspanntem Geist ausgeführt werden. Weiter sollten die Bewegungen immer möglichst viele Muskelketten ansprechen. Sehr gute Erfolge erziele ich bei meinen Kursteilnehmern mit den Qi Gong Systemen „Luo Han Gong“ und dem „Tai Chi Dao Yin“. Hierbei handelt es sich um Qi Gong in Bewegung, mit z.T. körperlich anstrengenden Übungen. Da bei diesen Übungen gezielt auch das Fasziengewebe angesprochen wird, können Verspannungen in beiden Bereichen gelöst werden. Das Lösen muss immer durch individuelle Haltungskorrektur unterstützt werden.

Ein Gefühl für Bewegung entwickeln
Das Gefühl für Bewegung verfeinert sich mit zunehmender Entspannung. Vergleichen lässt sich dies mit einem großen Eiswürfel. Stoßen wir einen Eiswürfel an, so bewegen sich die Wassermoleküle. Da ihre Bindung allerdings so fest ist, sehen wir die Bewegung mit bloßen Augen nicht und spüren werden wir sie auch nicht. Aber: Die Bewegung ist da! Fügen wir dem Eiswürfel nach und nach mehr Energie zu, so wird er zu Wasser. Im Wasser sehen wir dann die Bewegung als Welle und können sie sogar spüren.
Sammeln wir also mehr Energie in unserem Körper und lösen unnatürliche Spannungen auf, so werden die Bewegungen in unserem Körper deutlicher und somit einfacher zu spüren.
Allerdings geschieht dies nicht automatisch. Wir müssen mit unserer Aufmerksamkeit bei den Bewegungen sein. Denken wir zu viel, so ist unsere Aufmerksamkeit nicht bei der Bewegung. Wollen wir unbedingt etwas spüren, so verkrampfen wir wieder. Die Bewegungen müssen von uns aufmerksam und absichtslos begleitet werden. Erst dann können wir die Feinheiten der Bewegungen in unserem Körper spüren. Damit wir das, was wir dann wahrnehmen richtig einordnen können und auf anderes übertragen können, brauchen wir eine richtige Idee/Vorstellung von Bewegung.

Eine Idee von Bewegung
Die eine Idee/Vorstellung von Bewegung gibt es meiner Meinung nach nicht. Bewegung und was wir mit Bewegung alles verbinden, ist sehr durch unseren Alltag geprägt. Die Fitnessbranche, Sportmedizin, … beeinflussen unsere Vorstellung von Bewegung. Ich würde sogar soweit gehen, dass unsere Vorstellung von Bewegung dadurch limitiert wird. Andere sagen uns was geht und was nicht geht. Aber was ist, wenn diese Personen auch eine begrenzte Idee von Bewegung haben? Ein entschiedener Aspekt für eine weitreichende Vorstellung von Bewegung ist unsere Körpergefühl. Wenn wir unser Körpergefühl immer weiter verfeinern, werden wir auch Bewegung anders wahrnehmen. Spüren Sie die Bewegung ihre Organe? Oder spüren Sie ihre Organe nur wenn sie Schmerzen? Warum sollten wir Teile unseres Körpers nur spüren, wenn Sie schmerzen? Das macht für mich keinen Sinn.
Wenn also Gefühl für unser Faziengewebe vorhanden ist, können wir Bewegung auf dieser Ebene neu verstehen. Verfeinern wir unser Körpergefühl weiter, so werden wir Bewegung auf Ebene von Flüssigkeit verstehen, usw.
Dann werden wir verstehen, dass in allen Vorstellungen ein Prinzip enthalten ist, nämlich das Tai Chi Prinzip.
Um meine Bewegungsidee auf der Faszienebene zu erklären, verwende ich ein breites Gummiband, welches das Fasziengewebe darstellen soll.
Ich möchte jetzt nicht falsch verstanden werden, wenn ich meine persönliche Bewegungsidee hier vorstelle. Die hier vorgestellte Idee wird mit Sicherheit keiner wissenschaftlichen Probe standhalten. Muss sie allerdings auch nicht. Sie soll zu einem tieferen Bewegungsverständnis anregen. Die von mir vorgestellten Modelle haben mir sehr geholfen, diese Ebene zu verstehen. Vielleicht helfen sie auch Ihnen!

In einem Gummiband gibt es zwei Möglichkeiten Energie zu übertragen:

Durch eine Zugspannung
Durch Torsionsspannung.

Unser ganzer Körper ist von diesen Faszien durchzogen, die Muskeln und Organe sind umgeben von Faszien. Die Grundidee ist, dass wir über das Fasziengewebe jeden Teil des Körpers erreichen können. Durch Streckung können wir eine Zugsannung auf das Fasziengewebe übertragen. Das lässt sich sofort spüren: Stellen Sie sich locker hin und entspannen Sie sich. Strecken Sie nun leicht, aber schon mit Nachdruck, Ihre Finger bis in die Fingerspitzen. Mit den Zehen „greifen“ Sie in den Boden. Sie haben nun eine leichte Zugspannung von den Zehen bis in die Fingerspitzen im Körper. Diese lässt sich spüren. Vielleicht spüren Sie ein leichtes Ziehen, oder Sie fühlen Ihre Finger/Zehen deutlicher,…
Torsionsspannungen lassen sich durch Drehungen erzeugen. Stellen Sich sich wieder wie eben hin, Finger gestreckt und die Zehen greifen in den Boden. Entspannen Sie noch einmal bewusst, ohne aber die Streckung der Finger bewusst aufzugeben. Drehen Sie nun die Handflächen so weit wie es geht. Halten Sie die Drehung und spüren Sie in Ihren Körper. Diese Spannung werden Sie mit Sicherheit deutlicher spüren, als die Zugspannung. Versuchen Sie nun zu Entspannen, ohne aber die Drehung der Handfläche zurückzunehmen. Zu Beginn werden Sie die Spannung hauptsächlich in den Unterarmen spüren. Wenn Sie aber weiter entspannen, ohne die Drehung zurückzunehmen, können Sie der Spannung weiter nachspüren. Sie läuft den Arm hoch, über die Schultern und dem Rumpf, bis zu den Füßen. Je feiner Ihr Körpergefühl ist, desto feiner lässt sich „der Weg“ der Spannung fühlen. Aber für den Anfang reicht es schon, wenn Sie überhaupt spüren, dass etwas an Ihren Füßen „ankommt“.
In Normalfall werden Sie das nämlich nicht spüren! Dafür gibt es allerdings auch Gründe:
Sie sind noch nicht entspannt genug und haben Blockaden. An den Stellen, wo Sie Muskelversapnnungen haben, ist der Druck auf Ihr Fasziengewegen höher. Die Torrsionsspannung kann dort nicht durchfließen. Stellen Sie sich das vor, als ob ein Stein auf dem Gummiband liegt. Die Torrsion kommt nicht an dem Stein vorbei. Durch Bewegungsmangel, kann es auch vorkommen, dass das Fasziengewebe verdickt. (Link) dadurch ist es nicht mehr so elastisch, so dass sich das Gefühl für die Torrsion auch an solchen Stellen verlieren kann.
Diese Wahrnehmung im Körper ist für viele etwas Neues. Sie müssen ersteinmal ein Bewusstsein dafür entwickeln.
Für beides eignen sich die Übungen aus dem Tai Chi Dao Yin System hervorragend. Durch das intensive Üben lernen Sie natürliche Spannungen im Körper aufzubauen. Das sind Spannungen, die in natürlicher Weise bei Bewegungen auftreten. Unnatürliche Spannungen, wie z.B. hochgezogenen Schultern, lernen Sie durch Entspannung zu vermeiden. Das intensive „Ziehen“ und „Verdrehen“ des Faziengewebes lässt Verdickungen schmelzen. Die Wahrnehmung kann also immer feiner werden und Sie lernen, wie Sie die Dynamik des Fasziengewebes für Bewegungen, z.B. in der Kampfkunst, nutzen können.
Gleichzeitig wird durch den gesteigerten Entspannungszustand und die verfeinerte Wahrnehmung der Grundstein für die nächste Stufe gelegt: Energietransport in Flüssigkeiten.
Interessant ist auch das folgende Video, in welchem Dr. Schleip genau die gleichen Aspekte von Bewegung aufgreift, allerdings von einem ganz anderem Ausgangspunkt. Er ist einer der weltweit führenden Forscher im Bereich der Faszien.
Zen Fitness Köln

Energietransport Teil II

In meinem letzten Artikel habe ich beschrieben, dass der Begriff der Energie unter anderem kulturell geprägt ist. Wenn wir aus dem „Westen“ also die asiatische Prägung des Begriffs verstehen wollen, müssen wir uns auch auf die asiatischen Übungsmethoden einlassen. Mir kommt es in diesem Artikel nicht darauf an, ein vollständiges theoretisches westliches Konzept zu entwerfen. Ich möchte mich mit Ihnen über meine Übungserfahrungen austauschen, indem ich versuche, dass was ich in meinem Körper spüre zu beschreiben. Zur Beschreibung benutze ich nicht chin. geprägte Begriffe, sondern Begriffe und Vorstellungen aus unserem Kulturkreis, die im besonderen physikalisch geprägt sind. Meine Absicht ist es allen, die wirklich trainieren wollen, eine Hilfestellung zu geben, damit sie sich nicht in irgendwelchen esoterischen Theorien verlieren. Das eigentliche Problem an dem Begriff Energie ist, dass es in den westlichen, wie auch in asiatischen Kulturen ein sehr abstrakter Begriff ist. Energie lässt sich physikalisch nur indirekt, also über andere Größen messen. Für Bewegung benötigen wir Energie. Um Wärme zu erzeugen brauchen wir Energie. Wärme ist eine Energieform. Letztendlich hat die Energie viele Gesichter und Eigenschaften. Energie kann z.B. gespeichert und transportiert werden. Wer asiatischen Bewegungskünsten praktiziert, kennt Erklärungen wie: „Die Energie läuft vom Dan Tien zur Wirbelsäule, dann weiter hoch bis in die Hand,…“ Aber was heißt das wirklich? Physikalisch betrachtet geht es hier um den Transport von Energie. Da ich mit der Energie mechanische Arbeit verrichten will, z.B. den Arm heben,… geht es also um den Transport von mechanischer Energie, um den Arm heben zu können. Niemand wird bestreiten können, dass wir dazu Muskeln benötigen. Der Impuls zur Muskelkontraktion wird elektrisch geleitet, die Energie bekommen wir durch die Umwandlung unserer Nahrung. Das wäre also der klassische Transport von Energie, wie sie auch in den westlichen Wissenschaften beschrieben wird. Den elektrische Impuls spüren wir zwar nicht, aber wir merken die Kontraktion des Muskels. Durch Technik und Physik wissen wir auch, dass Strom fließen kann, somit ergibt sich für uns ein rundes Bild, mit dem wir uns Bewegung erklären können. Ja, damit können wir auch das asiatische Model beschreiben: Der Bewegungsgedanke kommt auf, die Energie (= Strom) fließt, der Muskel bewegt sich! Klingt logisch, also haben wir es verstanden und brauchen nicht weiter zu forschen, auch wenn wir den Energiefluss nicht spüren können. Aber meinten die „alten“ Meister der Bewegungskünsten von Hunderten von Jahren wirklich dieses Model? Ich glaube nicht, da der messbare Strom sehr gering ist, dafür jedoch sehr schnell und somit kaum zu spüren. Außerdem gab es in dieser Zeit kein Wissen über Stromfluss, … Natürlich lässt sich nicht wirklich sagen, was sie meinten, aber das ist auch nicht wirklich wichtig. Lässt man sich allerdings auf die überlieferten Übungsmethoden ein und übt aufmerksam und fleißig, so lässt sich das Beschriebene spüren. Das man richtig liegt, kann an den überlieferten Fähigkeiten überprüft werden. Also, es muss noch zusätzliche, bzw. unterstützende „Energietransporte“ geben. Mechanische Energie kann z.B durch ein Gummiband übertragen werden. Wir alle kennen das: „Der Gummimotor“! Ein Gummiband wird aufgedreht und die Energie wird als Spannenergie gespeichert. Lassen wir los, wird die Spannenergie in Bewegungsenergie umgewandelt. Durch ein Gummiband lässt sich Energie speichern und die Bewegung kann übertragen werden. Wenn wir an einem Ende das Gummiband verdrehen, überträgt sich diese Verdrehung bis zum anderen Ende. Und in unserem Körper? Unser Gummiband ist das Fasziengewebe. (Ob es wirklich nur das Fasziengewebe ist, oder ob es sich um andere Gewebeschichten handelt, kann ich natürlich nicht sagen, es spielt aber auch nicht wirklich eine Rolle. Neue Forschungsergebnisse über das Fasziengewebe decken sich allerdings mit meine Erfahrungen.) Unser gesamter Körper ist von den Faszien durchzogen und es gibt Kontenpunkte, wo Gewebestränge zusammenlaufen. Wenn man es schafft diese Kontenpunkte zu drehen, so überträgt sich die Bewegung über das Gewebe in den ganzen Körper. Kann man diese Bewegung bewusst kontrollieren und steuern, lässt sie sich mit der Muskelbewegung synchronisieren. Hat man das erreicht, so hat man meiner Meinung nach die erste Stufe von dem erreicht, was gemeint ist mit „Qi und Li verbinden sich“ mit Qi ist Energie gemeint und mit Li Muskelkraft/Muskelenergie. Wieso erste Stufe? Weil es noch weitere, tiefere Möglichkeiten des Energietransportes in unserem Körper gibt, dazu mehr in späteren Artikeln. Interessant ist, dass diese Knotenpunkte im Unterbauch und im Brustbereich liegen. Also im Bereich des unteren und des mittleren Dan Tien. Dieser Transport von Energie/Bewegung ist spürbar! Der gesamte Weg lässt sich durch Spüren verfolgen. Wenn wir mit Achtsamkeit üben, können wir nach und nach den gesamten Weg vom Dan Tien (Unterbauch) bis in die Hände /Füße spüren und verstehen. Es entstehen somit Bewegungsmuster und wir erkennen, dass hinter den verschiedensten Bewegungen das selbe Muster steht. Chen Xiaowang sagt dazu: „10000 Wege, 1 Prinzip!“ Natürlich drängt sich eine Frage auf, warum ist es so schwer das Beschriebene zu spüren? Meiner Meinung nach gibt es dafür zwei Gründe:
1. Es fehlt eine Idee dazu, die ich hoffentlich mit diesem Artikel liefere.
2. Die meisten Menschen sind zu verspannt. Die Grundspannung auf dem Gewebe ist zu hoch. Deswegen kann die Bewegung nicht weitergeleitet werden. Stellen Sie sich in altes, sprödes Gummiband vor. Wenn Sie das verdrehen wollen, reißt es! Die Bewegung wird nicht weitergeleitet. Durch Stress, zu wenig Bewegung kommt es in unserem Fasziengewebe zu Verklebungen und Verdickungen. Die Bewegung kann nicht weiter geleitet werden, da die Elastizität fehlt. Zusätzliche Gelenkblockaden schränken unser Bewegungsfeld weiter ein. Wir können dann z.B den Arm in einem eingeschränkten Bereich isoliert bewegen, da wir die Muskeln trotzdem ansprechen können, aber die Bewegung wird nicht mehr vom ganzen Körper unterstützt. In den Bewegungskünsten gilt es aber gerade solche isolierten Bewegungen zu vermeiden. Bewegung soll im Unterbauch entstehen, sich von dort ausbreiten um schließlich wieder zum Unterbauch zu fließen. In dem nächsten Artikel werde ich meine Unterrichtsmethodik erläutern, um die eben beschriebene Bewegungsstufe erreichen zu können.
Interessant ist auch das folgende Video, in welchem Dr. Schleip genau die gleichen Aspekte von Bewegung aufgreift, allerdings von einem ganz anderem Ausgangspunkt. Er ist einer der weltweit führenden Forscher im Bereich der Faszien.
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Weiter geht es hier: Energietransport Teil III

Energietransport im Körper – Teil I

Dieser Artikel soll in eine kleine „Artikelreihe“ einführen, die das Anliegen von Jan Silberstorff aufgreift, welches er in seinem Geleitwort zum Chen Tai Chi Jahresheft der WCTAG geäußert hat.

„20Jahre WCTAG bedeutet nämlich auch, dass wir inzwischen diesen größten aller chinesischen Kulturschätze (Anm.: Gemeint ist das Tai Chi) inzwischen auch für uns im Westen gehoben haben. Das heißt aber ebenfalls, dass uns nun klar werden muss, dass, um ebenso gut zu werden wie unsere chinesischen Vorbilder, wir nicht mehr einfach nur Kopien Chinas bleiben können. Wir müssen unsere eigene Identität in dieser wunderbaren Kunst finden. …“
[Jan Silberstorff, WCTAG Jahresheft 2013, Editorial]

Es geht also nicht darum etwas Neues zu entwickeln, sondern es geht vielmehr darum, etwas altes, bestehendes mit anderen, unseren Worten zu erklären. Das dieses nötig ist liegt daran, dass die kulturellen Unterschiede zwischen asiatischen Philosophien und westlichen Wissenschaften sehr groß sind. Traditionelle Erklärungsmodelle in den Kampfkünsten und dem Qi Gong haben immer das körperliche, tatsächliche Spüren als Grundlage. Westliche Wissenschaften haben immer das logische Denken als Grundlage.
In allen chinesischen Körperkünsten, also den Kampfkünsten und natürlich dem Qi Gong nimmt der Begriff der „Energie“ ein zentrale Stellung ein. Asiaten haben aber kulturell einen ganz anderen Zugang zu diesem Begriff. Der Begriff „Energie“ (chin. Qi) prägt die chin. Medizin, die asiatischen Philosophien und Religionen ist also für jeden Asiaten allgegenwärtig. Natürlich ändern sich auch in den asiatischen Ländern die Lebensumstände, so dass der Zugang zu der wirklichen Bedeutung auch immer mehr verschwimmt. Allerdings nutzen alle Körperkünste die Energie in seiner ursprünglichen Bedeutung und zur Blüte der Körperkünste hatten auch die praktizierenden Asiaten den richtigen Zugang zu den Erklärungsmodellen. Der Begriff Energie und somit unser Zugang zu der Thematik, ist in den westlichen Kulturen maßgeblich durch die Physik geprägt worden. Dort ist die Energie eine physikalische Größe, die wir mathematisch beschreiben können.

Energie ist Kraft mal Weg!
Mehr nicht!

Wir können den Begriff logisch verstehen und experimentell messen. Wir benutzen den Begriff in abstrakten Erklärungsmodellen, um z.B. Naturphänomene zu erklären. Wir versuchen diesen abstrakten Begriff durch Eigenschaften zu beschreiben, um seine Bedeutung besser greifen zu können. Genau in diesen Eigenschaften liegt der Unterschied zur asiatischen Variante. Eine asiatische Eigenschaft des Begriffs ist nämlich, dass Energie spürbar ist. Wir können sie also wirklich körperlich fühlen, genauso wie wir Schmerzen, Berührungen,… fühlen können. Da Spüren, Fühlen keine objektive Messmethode ist, hat diese Eigenschaft keine Bedeutung in der Physik. Die asiatischen Erklärungsmodelle, die das Erklärungskonzept Energie „Qi“ verwenden, bleiben für viele „Westler“ somit nur logische Erklärungsmodelle, wie unsere physikalischen Theorien. In den Körperkünsten geht es aber nicht um das logische Verstehen, sondern um das körperliche Verstehen. Interessant ist die Frage: „Wie und wann sind denn diese „Erklärungsmodelle“ entstanden?“ Mathematik, Physik gab es da noch gar nicht in der Form! Die Menschen haben sich mit den Übungen körperlich beschäftigt. Immer und immer wieder, täglich über Jahrzehnte. Sie haben sich über ihre Erfahrungen ausgetauscht, in dem sie versucht haben, das was sie in ihrem Körper spüren in Worte zu fassen. So sind nach und nach, über Jahrtausende, Begriffe wie Energie geprägt worden, Erklärungsmodelle sind entstanden und wurden verfeinert. Inzwischen sind diese Modelle so umfassend geworden, dass es wahrlich unmöglich ist alles zu spüren. Aber das Fatale ist, dass wir uns inzwischen vortrefflich über diese Modelle intellektuell austauschen können. Das kommt unserer westlichen Wissenschaftsvorstellung sehr zu gute. Wir können sogar Bücher darüber schreiben, ohne zu trainieren! Ist das nicht wunderbar?
Aber mal ehrlich, worum geht es uns? Wollen wir Teil eines intellektuellen Zirkels sein, der sich ab und zu trifft und sich dabei ein bisschen bewegt? Oder wollen wir es wirklich verstehen?
Dann müssen wir unsere „Arbeitsweise“ ändern! Vergessen wir also den Begriff Energie, konzentrieren uns statt dessen auf die Trainingsmethode und machen unsere eigenen Erfahrungen. So können wir den Begriff „Qi“ für uns neu entdecken und prägen. Wenn wir uns an eine klassische Übungsmethode halten, einen Lehrer haben der uns begleitet, dann werden wir die wahre Bedeutung des Begriffs Qi nach und nach körperlich erfassen. Wir werden feststellen, dass unsere physikalische Vorstellung von Energie nicht falsch ist. Wir entdecken Gemeinsamkeiten und können Erklärungsmodelle übertragen. Nur ein Fehler dürfen wir nicht machen: Nicht so viel versuchen logisch zu erklären!
Wir müssen erst spüren, denn dann können wir körperlich verstehen. Erst danach können wir versuchen, uns das Gespürte logisch zu erklären. Allerdings dürfen wir nicht zu früh mit der Logik anfangen.
Eine guter Vergleich ist z.B. das Heizungssystem in einem Haus. In einem Kessel im Keller wird Wasser erhitzt. Durch die Rohrleitungen wird das heiße Wasser dann im Haus verteilt. Die Energie wird in Form von Wärme von den Heizkörpern abgeben. Wenn der Raum warm wird, spüren wir das körperlich. Wir wissen dann sofort, dass die Heizung funktioniert. Wir wissen, aufgrund unseres Verstandes, dass das heiße Wasser aus dem Keller durch Rohre transportiert wurde. Ohne es zu sehen, oder zu spüren. Die Energie ist angekommen! Das funktioniert auch, ohne das wir den ganzen Prozess verstehen. Jeder der übt, hat mit Sicherheit schon mal Wärme in der Hand gespürt, ein Kribbeln im Arm, … Darüber freuen wir uns, da es ein Zeichen dafür ist, dass Energie angekommen ist oder fließt. Wir dürfen uns auch darüber freuen, weil es ein Zeichen für einen tieferen Entspannungszustand ist! Aber das heißt noch lange nicht, dass wir verstanden haben! Wenn wir jetzt ständig versuchen dieses Gefühl wieder zu finden, dann verlassen wir unser eigentliches Ziel: Das Verständnis des gesamten Energiekreislaufs. Erst wenn wir den Energietransport wirklich im Ganzen Körper spüren, vom Kessel bis zum Heizkörper, können wir ihn auch in seiner Gesamtheit verstehen.

In einem folgenden Artikel werden ich versuchen den physikalischen Energiebegriff zu nutzen und Parallelen zum chin. Energiebegriff aufzuzeigen. Ziel soll sein, den Weg des „körperlichen Spüren“ zu verdeutlichen. Ich möchte ein Erklärungsmodell entwerfen, das unsere westlichen Vorstellungen nutzt, um den klassischen, chinesischen Übungsweg besser zu verstehen.
Interessant ist auch das folgende Video, in welchem Dr. Schleip ein von ihm und anderen herausgegebenes Buch vorstellt. Dort wird unter anderem erklärt, wie ein „Energiegefühl“ in unserem Körper wahrgenommen werden kann. Dr. Schleip ist führenden Forscher im Bereich der Faszien.
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Weiter geht es hier: Energietransport Teil II

Wellness?! – Was Welleness für mich bedeutet!

Oft berichten mir Freunde, Verwandte, … das sie Sonntags einen tollen & entspannten Tag hatten und sich jetzt wieder super fühlen. Auf die Frage was sie denn gemacht hätten, bekomme ich dann immer die Antwort: „Wellness!“ Sie haben also eine paar Stunden in einer Therme verbracht. Mit allem Zipp & Zapp! Massage, Sauna, Dampfbad, Whirlpool, …
Hey, klar ist das schön und entspannend, wenn man sich mal einen ganzen Tag nur für sich Zeit nimmt. Kein Stress, keine Termine, keine Mails, … In der Sauna schwitzt man dann noch den ganzen „Alltagsdreck“ aus. Super! Man fühlt sich innen wie außen sauber. Nach einem Nickerchen in der Chilloutzone sind unsere Akkus wieder voll.
Ich möchte das auf gar keinen Fall schlecht reden, aber mal ehrlich, wie oft nehmen wir uns dafür Zeit? Genauer heißt das doch: wie oft nehmen wir uns BEWUSST Zeit für unseren Körper? An solchen besonderen Wellnesstagen merken wir zwar, wie gut uns das tut, aber einen Tag später sitzen wir wieder im Büro, rasen von Termin zu Termin und haben für unseren Körper keine Zeit. Termine! Erst wenn wir wieder am Anschlag sind, fällt uns als Lösung die Therme ein.
Mit einem Gutschein für eine solche Terme tut man mir keinen Gefallen. Dafür habe ich keine Zeit, ich gehe lieber trainieren. Das liegt vielleicht daran, dass es mir in der Sauna zu heiß ist, im Whirlpool sind zu viele andere Menschen,… Da kann ich nicht entspannen. Mein Wellnessprogramm mache ich täglich. Mein Training. Das Tolle daran ist, ich kann es überall machen und brauche nichts besonders dazu.
Wenn ich schwitzen und mich richtig auspowern will, dann trainiere ich Kung Fu. Um Kraft, Fitness und Ausdauer zu trainieren kenne ich nichts besseres als das Training mit einem langen Stock. Fühle ich mich ausgelaugt und brauche Energie, dann mache ich das Luo Han Qi Gong. Dadurch wird der ganze Körper trainiert und gestärkt und ich tanke neue Energie. Wenn ich verspannt bin, der Rücken schmerzt oder ich Kopfschmerzen habe, dann löse ich diese Verspannungen in meinem Körper durch Übungen aus dem Tai Chi Dao Yin. Hatte ich mal keine Zeit um mich körperlich zu betätigen, dann setze ich mich am Abend hin und praktiziere stilles Qi Gong. Dadurch löse ich Verspannungen und beruhige meine Gedanken und entspanne meine Seele. Habe ich zwischen zwei Terminen ein wenig Zeit, dann helfen gezielte Entspannungsübungen um ruhig zu werden und Energie zu tanken. Inzwischen spüre ich meinen Körper so gut, dass ich genau weiß, mit welcher Übung ich die kleinen täglichen Problemchen beheben kann. So werden aus den Problemchen erst gar keine Probleme! Das ist mein Wellnessprogramm. Jeden Tag ein wenig Zeit für meinen Körper. Deswegen habe ich nicht das Bedürfnis in eine Therme zu gehen. Dann trainiere ich lieber!
Deswegen ist mein Anliegen: Nehmt euch Zeit für euren Körper! Jeden Tag! Ihr habt nur den einen. Je länger ihr wartet, desto schwieriger wird es einen Anfang zu finden. Die Muskulatur lässt nach, die Gelenke verschleißen, Schmerzen entstehen!
Immer wenn ich das fordere, kommt das Argument: „Dafür habe ich keine Zeit!“
Nehmt sie euch, denn ihr habt sie. Jeder hat die Zeit dafür. Wir sprechen hier von 30 Minuten bis 1 Stunde pro Tag. Das verrückte ist, dass wir nur unseren inneren Schweinehund überwinden müssen. Nach kurzer Zeit werdet ihr feststellen, dass ihr euch besser fühlt, ruhiger und entspannter schlaft und deswegen konzentrierter arbeiten könnt. Das Training macht etwas mit euch! Es ist eben nicht nur Wellness, sondern auch Training. Es stärkt eueren Körper, aber es ich auch Konzentrationstraining. Euere Arbeitszeit wird somit effektiver. Somit habt ihr die Trainingszeit schnell wieder raus! Mal ehrlich, wie oft reiben wir uns den Nacken wenn wir länger am Computer sitzen? Wie oft unterhalten wir uns darüber wie gestresst wir sind, wie ausgelaugt wir sind und wie schön es wäre Zeit für Wellness zu haben? Bloß Wellness trainiert euch nicht! Wellness reinigt und entspannt euch, aber danach müsstet ihr anfangen euren Körper zu trainieren. Lasst euch nicht von der Hektik der Anderen anstecken. Die kochen auch nur mit Wasser. Baut euch Pausen zum durchatmen in den Tag ein. Gerade dann, wenn Ihr glaubt, dass ihr keine Zeit habt. Leistungsdruck,Hektik und Stress blockieren uns. Wir können nicht mehr so effektiv arbeiten. Wir brauchen länger um Entscheidungen zu treffen und es fällt uns schwerer. Diese Unsicherheit belastet uns und macht uns wieder mehr Stress. Sehr gut sehen kann man das im Straßenverkehr. Stellt euch mal an eine Straße und beobachtet einfach nur. Ihr glaubt gar nicht, wie viele Menschen noch nicht einmal mehr die Zeit haben an einer roten Ampel stehen zu bleiben. Sie halten die 3 Minuten „Nichtstun“ einfach nicht aus. Auf der Autobahn wird gedrängelt, gerast, … nur um 200km/h fahren zu können. Man kommt dann zwar schweißnass und gestresst am Ziel an, aber man hat gerade einmal 5 Minuten Zeit gewonnen. Inzwischen bleibe ich an jeder roten Ampel stehen und schaue mir das Treiben an. Ich mache da eine kurze Pause. Auf der Autobahn fahre ich nur noch 120 km/h und bremse lieber einmal, um jemanden vorbeizulassen, statt zu drängeln! Ich warte auch mal 20 Sekunden, um jemanden die Tür aufzuhalten. Ich nehme mir die Zeit dafür. Warum? Weil ich mich dann besser fühle. Ich kann besser arbeiten, bin nicht so gestresst! Es freut mich, wenn sich jemand mit einem Lächeln bei mir für das Aufhalten der Tür bedankt. Das macht Spaß und ist meine Wellness! Meine Arbeit und Termine schaffe ich trotzdem. Ich habe sogar zusätzlich Zeit für diesen Blog!
Also entschleunigt eueren Tag, nehmt Pausen und kümmert euch um euren Körper! Ihr werdet merken, dass ihr euch besser fühlt und trotzdem eure Arbeit schafft.
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Luo Han Gong & Fasziengewebe

Die Übungen des Luo Han Gong sind zuerst gymnastische Übungen, welche die Muskel- Sehnenstruktur des Körpers stärken. Es werden Bewegungsketten ausgearbeitet, so dass die Muskulatur gezielt angesprochen und trainiert werden kann. Das Zentrum der Bewegung ist immer der Unterbauch. Mit zunehmender Übungspraxis wird das Gefühl für das Bewegungszentrum stärker. Der Körper wird zunehmend wieder als ganzes wahrgenommen, da die Erkenntnis wächst, dass jede Bewegung im Unterbauch beginnt und dort wieder endet. Die Muskeln werden durch das Training gestärkt und gleichzeitig auch gedehnt, so dass Muskelverspannungen sich lösen können.
Die Bewegungen sollen zusätzlich mit der Atmung harmonisiert werden, so dass immer zu den gleichen Bewegungen ein- und ausgeatmet wird. Zwischen den Atemphasen gibt es „Pausen“. Ziel ist es die Atmung nach und nach zu beruhigen. Dadurch werden werden die Bewegungen auch langsam und ruhiger. Das Gefühl für die Bewegung wird durch die ruhige Atmung verstärkt und Sie können besser entspannen. Gleichzeitig nehmen Sie (zu Beginn erst unbewusst) Energie auf. Bei regelmäßiger Übungspraxis, werden Sie dieses „mehr“ an Energie als eine leichte pulsierende Auf- und Abbewegung in ihrem Körper spüren.
In dieser Stufe lernen Sie den gesamten Muskel-/Sehnenapparat zu entspannen.
Die Körperstruktur kann individuell ausgerichtet, bzw. harmonisiert werden. Das Körpergefühl für die Haltung als Ganzes wird stärker. Dieses Gefühl nehmen Sie mit in ihren Alltag, dadurch sind wir nicht mehr so stressanfällig. Sie haben eine Übungsmethodik gefunden und den Alltagsstress schnell und effektiv wieder abzubauen.

Wieso üben Sie zuerst auf der muskulären Ebene?
Die Wirkungsweise der Übungen lässt sich nicht wirklich so differenzieren, aber unsere Wahrnehmung. Da wir mit der Vorstellung von Muskeln und Sehen etwas anfangen können, sind wir dieser Übungsebene als erstes zugänglich.
Muskeln können enorme Kräfte entwickeln. Ein Muskel mit z.B. 6 cm² kann eine Kontraktionskraft aufbringen, die einem Gewicht von 30 kg entspricht.[vergl. R. Wirhed „Sportanatomie Bewegungslehre“, 3.Auflage Schattauerverlag, S. 15] Da ist es verständlich, dass wir die Auswirkungen dieser Kräfte deutlicher spüren, als z.B. die Kräfte der Faszien.
Allerdings wirken sich die Alltagseinflüsse auch auf unsere Gewebestruktur aus. Erst letztens wurde nachgewiesen, dass Stress sich auf die Faszien auswirkt.
Quarks&Co: Rückenschmerzen
Es ist aber auch nachgewiesen, dass es Nervenstränge in den Faszien gibt. Es ist also möglich das Fasziengewebe zu spüren! Das kann allerdings nur gelingen, wenn unser Entspannungszustand tief genug ist.
Die Bewegungen des Luo Han Gong bestehen aus Verdrehungen, Dehnungen und Kräftigungen. Die Hände sollen immer unter großer Spannung gehalten werden, während der Rest des Körpers immer weiter entspannen soll. Durch die Spannung in den Händen wird eine gewisser Grundtonus auf das Bindegewebe gegeben. Gleichzeitig wird durch Entspannung der Muskeltonus immer weiter herabgesetzt. Die Spirlbewegungen und Dehnungen des Luo Han Gong können wirken sich dann auf das Fasziengewebe aus. Es fühlt sich so an , als ob die Faszien in die richtige Position gezogen werden. Die in den Faszien gespeicherten Verspannungen, die uns Schmerzen bereiten, werden durch die Bewegung des Gewebes gelöst.
Ist Ihr Körpergefühl so weit verfeinert, dass sie diese Effekte wahrnehmen, können sie viel früher auf Verspannungen reagieren. Die Verspannungen verfestigen sich erst gar nicht. Das Ergebnis ist ein tieferes Level von Entspannung, auf dem wir wieder neue spannende Dinge in unserem Körper wahrnehmen können!
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Rückenschmerzen!

Rückenschmerzen! Jeder kennt das Gefühl, wenn der Rücken schmerzt. Einige Menschen haben nur sporadisch Rückenschmerzen, die dann auf klare Ereignisse zurückzuführen sind. Der eine hat eine neue Sportart ausprobiert, der andere hat ungewohnte Bewegungen gemacht, wieder andere haben „Zug“ bekommen, … In solchen Fällen wird die Lebensqualität nur kurzfristig eingeschränkt und dauerhafte negative Auswirkungen auf die Gesundheit sind eigentlich nicht zu befürchten.

Leider gibt es auch Menschen mit chronischen Rückenschmerzen. Halten Rückenschmerzen länger als drei Monate an, so sprechen Mediziner von chronischen Rückenschmerzen. Durchforstet man das Internet, so erhält man schnell viele Zahlen, Ursachen für Rückenschmerzen, Tipps, Angebote zur Vorbeugung, usw. Ich möchte hier versuchen, ein wenig Ordnung in die Flut von Informationen zu bringen und mögliche Wege aus dem Leben mit Schmerzen aufzeigen. Einen, meiner Meinung nach, sehr guten Überblick über verschiedene Arten von Rückenchmerzen bietet die folgende Seite: Arten von Rückenschmerzen

Grob eingeteilt, lassen sich drei Ursachen für Rückenschmerzen erkennen:

1. „Störungen“ in der Muskel-Sehnenstruktur,

2. Fehlstellungen im Skelett,

3. Dysfunktionen der Organe.

Die Körperhaltung ist ein wichtiger Faktor, der bei Problemen in der Muskel-Sehnenstruktur zu beachten ist. Die Körperhaltung wird sehr stark durch unser Umfeld und unsere Lebensweise geprägt. Stress, zu wenig Bewegung, einseitige Bewegungen, das „Älter werden“, … haben starke Auswirkungen auf unsere Körperhaltung. (genaueres dazu habe ich im Artikel: … beschrieben) Die Sehnen verkürzen, Muskel verhärten, die Bewegungsvielfalt nimmt ab, so dass wir  uns immer öfter unphysiologisch bewegen. Auf die Dauer werden dadurch natürlich auch unsere Knochen und Gelenke negative beeinflusst. Wir merken dann nur die Schmerzen.

Jetzt kann es sein, dass ein Arzt feststellt, dass die Schmerzursache eine Fehlstellung im Skelett ist. Mögliche Ursachen können genetisch bedingt sein, ein Unfall sein, eine falsche Bewegung, falsche Körperhaltung, allerdings könnte der Anfang auch in einer Muskelverspannung liegen. Diese hat z.B. einen Wirbel der Wirbelsäule verschoben der dann auf einen Nerv drückt, oder die entsprechende Bandscheibe beschädigt, …

Genetische Krankheitsbilder und unfallbedingte Schädigungen lassen sich meistens sehr genau diagnostizieren. Die Ursache anderer Schmerzbilder ist nur schwer zu finden. Viele Medizner beschränken sich darauf z.B. einen  Bandscheibenvorfall, ein kaputtes Knie zu operieren, ohne nach der Ursache zu fragen. Naürlich müssen gewisse Operationen durchfgeführt werden, damit der Patient wieder schmerzfrei ist, allerdings wird der Patient nach einer kurzen Rehaphase wieder entlassen. Die Köperstruktur wird leider selten berücksichtigt!

Ist die Ursache für Rückenschmerzen nicht so eindeutig, werden oft nur Schmerzmittel verschrieben. Die lösen aber leider das Problem nicht.

Die Funktionsweise unserer Organe steht auch in Wechselwirkung mit unserer Haltung. Wenn ein Organ gesund ist, so ist es ständig in Bewegung. Die Bewegung beeinflusst natürlich das umgebende Gewebe. Hat ein Organ durch z.B. eine falsche Körperhaltung nicht den nötigen Bewegungsspielraum, so kann auf Dauer die Funktionalität beeinträchtigt werden.

Laut diverser Statistiken klagt jeder dritte Erwachsene über Rückenschmerzen. Einige Statistiken kommen zu dem Schluss, dass jeder dritte Erwachsene chronische Rückenschmerzen hat. Ich hoffe, dass das nicht stimmt, wenngleich nicht zu leugnen ist, dass Rückenschmerzen zur „Volkskrankheit“ geworden sind. Prof. Dr. Grönemeyer stellte kürzlich in seiner Kolume in der Prisma (Ausgabe 39/ 2012) fest, dass bei 80% Prozent der Patienten die Ursache der Schmerzen muskuläre Versspannungen sind. Die häufig vermuteten Verschleißerscheinungen schlagen nur mit 10%, Bandscheibenvorfälle nur mit 4% zu Buche.  Neben Stress und psychischen Druck ist die Hauptursache die fehlende Bewegung. Zitat: “ Bewegungsarmut ist eine Sünde, für die unser Kreuz büßen muss.“ Das fatale ist, dass immer mehr Kinder und Jugendliche auch über Rückenschmerzen klagen. Laut einer Befragung unter Kinderärzten liegen die Gründe dafür im Bewegungsmangel und der daraus resultierenden falschen Körperhaltung.(siehe: Befragung)

Wenn diese Haltungsschäden bei den Kinder nicht behoben werden, dann hat das (wie oben beschrieben) schwerwiegende Auswirkungen auf den Körper. Es wird zu Fehlstellungen kommen, die sich über lange Zeiträume auch auf die Funktionalität der Organe auswirken kann.

Was also tun, wenn man unter Rückenschmerzen leidet? Meiner Erfahrung nach liegen die Ursachen für Rückenschmerzen in den meisten Fällen in Verspannungen und falscher Körperhaltung. Wobei sich Ursache und Wirkung hier für immer wieder abwechseln können. Stress, ob emotional oder beruflich, … lässt uns hart werden. D.h. wenn man keinen Ausgleich hat, dann bauen sich nach und nach Spannungnen auf. Diese Spannungen betreffen zuerst einzelne Muskelpartien. Die Muskeln verhärten und die Spannung weitet sich auch auf andere Gewebeschichten aus. Der Körper verhärtet, das hat natürlich auch Auswirkungen auf unseren Gemütszustand, aber das ist ein anderes Thema. Die Verhärtungen schränken unser Bewegungsspektrum ein. Es kommt zu einseitigen Belastungen. Die Spannungen übertragen sich über die Muskelfasern z.B. auch auf unser Becken und das Ileosakralgelenk. Man kann sich leicht vorstellen, dass ein Hebel aus dem Gleichgewicht kommt, wenn die Zugverhältnisse aus der Balance kommen. Es kann also zu Gelenkblokaden und Schiefstellungen kommen. Damit wir uns weiter „recht rund“ bewegen können, gleichen andere Gelenke die Fehlstellungen aus. Blokaden in der Hüfte werden z.B. über die Wirbelsäule ausgeglichen. Es kann zur einseitigen Belastung von Bandscheiben kommen, bis hin zu Deformationen der Bandscheibe, die sehr Schmerzhaft sein können. Gleichzeitig kann es auch zu Knie- und Fußgelenksproblemen kommen. Grundsätzlich hat jede Form von Stress ihre eigene Körperregion. Die Ursache der Schmerzen kann natürlich auch in Verspannungen im Schulter/Nackenbereich liegen. Die Ostheopathie bezeichnet den Hüftbeugemuskel oft auch als „Müllkippe des Körpers“.

Neben dem „Alltagsstress“ ist unser oft viel zu bewegungsloser Alltag ebenfalls Ursache für Haltungsschäden. Muskulatur und das Körpergefühl degenerieren und die Grundlage für eine gesunden Körperhaltung geht immer mehr verloren. Die Muskulatur ist nicht mehr kräftig genug, um unser Körpergewicht zu tragen. Das hört sich zwar widersprüchlich an, aber wenn ich bei den Kursteilnehmern die Hüfte öffne, so dass das Hauptgewicht nicht mehr über das Skelett getragen wird, sacken die meisten in sich zusammen. Sie können ihr Körpergewicht nicht halten. Viele Menschen blockieren ihr Hüfte absichtlich, wenn sie stehen, da das Stehen sonst zu anstrengend wäre. Dadurch degeneriert die Muskulatur immer mehr und die Gelenke werden immer stärker beansprucht. Der Gelenkverschleiß wird  stärker. Ein weiteres Problem kann unsere Arbeit sein. Oft sitzen wir zu viel und haben nicht genug Möglichkeiten unsere Sitzposition zu verändern. Die Muskulatur reicht oft nicht aus, um in vernünftiger Haltung mehrer Stunden am Computer zu arbeiten. Wir sacken dann oft in uns zusamment und unser Gefühl für eine gesunde Haltung geht verloren. Es kommt zu Fehlhaltungen und Schmerzen entstehen! Wenn man Glück hat, bekommt man vom Arzt 10 Termine á 20 Minuten Physiotherapie verschrieben. Diese reichen aber bei weiten nicht aus um 10 Jahre Bewegungsmangel auszugleichen. Der Physiotherapeut erklärt einem dann, dass die Muskulatur aufgebaut werden muss. Das stimmt natürlich, wird aber von den meisten Patienten falsch interpretiert. Dann geht es nämlich ab ins Fitnessstudio an die Geräte. Dort wird dann an der Muskulatur gearbeitet, aber in den meisten Fällen bleiben die Rückenschmerzen, da das Muskelaufbautraining in vielen Studios zu wenig Funktionalität zulässt. Deswegen wird die „kleine Muskulatur“, die für unsere Haltung so wichtig ist nicht aufgebaut. Viele Bewegungen, die wir in den „Kraftmaschienen“ durchführen können ,finden nur in einer Ebene statt. Sie sind entweder horizontal oder vertikal. Die Muskelketten von dreidimensionalen physiologischen Bewegungsabläufen können oft nicht trainiert werden. Da das erhoffte Ziel, die Schmerzlosigkeit, oft nicht erreicht wird, fragen sich viele natürlich warum sie sich weiter quälen sollen und hören auf. Andere haben von vornherein keine Lust auf ein Fitnessstudio und nehmen sich vor die Übungen aus der Physiotherapie regelmäßig zu machen, da diese ja geholfen haben. Im Alltag gehen sie dann doch oft unter und das Problem des mangelnde Körpergefühls wird auch nicht angegangen.

Eins sollte also jedem klar sein:

Wer ohne Rückenchmerzen leben will, muss regelmäßig und dauerhaft etwas für seinen Körper tun!

Deswegen ist es wichtig, dass man etwas findet an dem man Spaß hat, da sonst die Motivation schnell nachlässt. Das was man macht, sollte die komplette Muskelsturktur aufbauen, das Körpergefühl steigern und Haltungsprinzipien, an denen man sich orientieren kann vermitteln. Da Stress jeglicher Art sich oft in Muskelverhärtungen zeigt, sollten auch Entspannungsmethoden vermittelt werden.

Die Übungen sollten so ausgelegt sein, dass sie nach und nach in den Alltag übergehen. Aber wie finden die Übungen Einzug in unseren Alltag? Es gibt Übungen, die im Büro durchgeführt werden können, oder in der Mittagspause auf dem Parkplatz. Aber wer macht das? Die Hemmschwelle, dass Kollgegen blöde Fragen stellen könnten ist gerade am Anfang zu groß. Der innere Schweinehund lässt uns dann doch oft lieber bei einem Kaffee mit den Kollegen in der Kantine sitzen. Wie schaffen wir es also im Alltag regelmäßig, d.h. täglich, zu üben?

Der erste Schritt ist das Gefühl für unsere Körperhaltung. Die im Unterricht gelernten Haltungsprinzipien werden nach und nach automatisch im Alltag umgesetzt. Am Schreibtisch versucht man aufrechter zu sitzen, im Auto sackt man nicht mehr so in sich zusammen, man versucht gerade zu stehen, … Man fällt zwar immer wieder zurück in alte Haltungsmuster, aber nach und nach werden die „lichten“ Momente mehr! Wir nehmen immer öfter unsere falsche Haltung wahr, merken dass sie nicht gut für uns ist und haben einfache klare Methoden unsere Haltung wieder korrekt auszurichten. Dadurch trainieren wir unsere Muskulatur und unser Haltungsgefühl im Alltag! Nach und nach werden die Haltungskorrekturen aus dem Unterricht zu einem Automatissmus. Wir merken, wie gut es uns tut, wenn wir auf unsere Haltung achten. Dadurch steigt die Motivation für das eigentliche Training und die eine oder andere Übung wird dann auch mal zu Hause trainiert. Das Training findet also nach und nach immer mehr Einzug in unseren Alltag, der dadurch z.T. verändert wird.

Die zweite Schnittstelle zwischen dem Training und unserem Alltag sind die Entspannungsmethoden. Oft berichten die Kursteinehmer, dass sie sich nach dem Training viel ruhiger und enstpannter fühlen. Sie finden dann abends besser in den Schlaf und schlafen ruhiger und tiefer, so dass sie sich morgen viel erholter fühlen. Es wird also zum ersten mal zwischen zwei „Spannungszuständen“ unterschieden. Unser Körpergefühl ist feiner geworden. Stehen wir dann z.B.  in unserem „normalen“ Leben mal wieder kurz vor einem Wutausbruch, weil alles zu viel ist, oder fühlen uns ohnmächtig, weil wir nicht wissen, wie wir alles schaffen sollen, probiert man einfach mal eine Entspannungsübung. Die ganze Arbeit ist dann zwar nicht weg, aber wir merken, dass wir mit den Anforderungen besser klar kommen. Schritt für Schritt setzen wir so Entspannungsübungen in unserem Alltag um. (vergl. Link Alltag verändern!)

All das wird aber nur passieren, wenn man sich auf das Training einlässt und regelmäßig hingeht.

Unterm Strich muss es einfach Spaß machen und man braucht den richtigen Zugang zu Inhalten und Übungen.

Zum Schluss möchte ich nur auf eine falsche Vorstellung hinweisen. Die Übungen von denen ich hier spreche dürfen nicht mit Sport verwechselt werden! Einige Übungen sind zwar anstrengend und schweißtreibend, aber sie sind trotzdem mehr als Sport! Unter Sport verstehen viele, dass wir uns körperlich anstrengen, aber unsere Aufmerksamkeit ist oft woanders. Sie begleitet also die Bewegungen nicht! D.h. wenn ich z.B. joggen gehe, genieße ich es nach einiger Zeit einfach nur noch zu laufen. Nicht mehr zu denken, nur laufen, völlig automatisch. Bei  Ballsportaten wie z.B. Fußball, Hockey, Tennis, … ist meine Aufmerksamkeit  auf den Ball gerichtet. Mein Körper führt die Bewegungen also wieder automatisch aus.  Im Gegensatz dazu muss man bei der Ausführung der hier angesprochenen Übungen sehr aufmerksam sein. Ich muss mich beobachten, die Hatlung kontrollieren. Ich muss in meinen Körper spüren, um Veränderungen während der Bewegugen spüren zu können. Das geht nur, wenn meine Aufmerksamkeit auf meinen Körper und die Bewegungen gerichtet ist, ich eine klare Trainingsmethodik habe und weiß worauf ich zu achten habe.

Genau diese Aufmerksamkeit für unseren Körper nehmen wir mit in den Alltag. Wir lernen so wieder mehr auf unseren Körper zu hören.

Wichtiges zum Schluss:

Ich bin weder Mediziner, Ostheopath oder Physiotherapeut! Das Geschriebene beruht ausschließlich auf meinen eigenen Erfahrungen aus meiner Kurstätigkeit! Da ich selber lange Rückenprobleme hatte, kenne ich viele Methoden von Ärzten, Ostheopathen und Physiotherapeuten. Diese Methoden haben mir bei den akuten Schmerzen fast immer geholfen. Allerdings fehlt meines Erachtens die Prävention. Das können die oben genannten auch nicht leisten. Die Verantwortung dafür muss jeder für sich selbst übernehmen. Dazu möchte ich mit diesem Artikel anregen und Hilfen geben, worauf zu achten ist!

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Hier ein interessanter Beitrag zum Thema: Fazien und Rückenschmerzen

Warum wir trainieren!

Ich erlebe immer wieder, dass die Leute am Anfang zum Training kommen „um etwas für sich zu machen“. Schnell stellt sich dann eine Begeisterung ein, dass es Spaß macht sich zu bewegen, die Muskeln nach dem Training zu spüren. Oft höre ich, man könne nach dem Training viel besser schlafen, etc. Je länger dann trainiert wird, umso tiefer dringt man in diese ganz „neue Materie“ ein. Es entstehen Fragen, dessen Antworten Wünsche in uns wecken. „Das möchte ich auch können, spüren, …“ Aus diesen Wünschen werden dann persönliche Ziele. Sobald wir dann diese persönlichen Ziele für uns klar formuliert haben, trainieren wir nicht mehr in erster Linie weil es uns Spaß macht und es unseren Alltag bereichert, sondern auch, um unsere Ziele zu erreichen. Machen wir weiter Fortschritte, hindern uns unsere Ziele nicht. Bleiben aber diese Fortschritte mal aus, oder können wir aus irgend welchen Gründen nicht so trainieren wie wir wollen, dann werden die selbst gesteckten Ziele zu einem Problem. Zweifel kommen auf: kann ich meine Ziele noch erreichen?
Stress kommt auf: ich muss doch trainieren um meine Ziele zu erreichen.
Das Ergebnis ist Frust und Resignation.
In jedem Veränderungsprozess gibt es immer wieder Phasen der Stagnation, diese Phasen gehören zum Training dazu. In solchen Momenten scheinen die eigenen Ziele unerreichbar. Meistens erzählen dann auch noch die anderen, welche tollen Fortschritte sie gerade machen. Das Ergebnis: Noch mehr Frust und Zweifel.
                                            „Alle schaffen das, nur ich nicht.“
In solchen Momenten stehen wir uns selber im Wege, besser gesagt unsere Ziele stehen uns im Weg.
Wir können uns nicht entspannen, da wir die Ziele nicht losgelassen können. Sie sind wichtiger geworden als das eigentliche Training. Eigentlich wird nur noch trainiert um unsere Ziele zu erreichen. Die Motivation für das Training hat sich verändert. Am Anfang wollten wir etwas für uns tun, jetzt wollen wir unsere Ziele erreichen.
Da aber Entspannung ein sehr wichtiger Aspekt ist, ohne den kaum wesentliche Fortschritte gemacht werden können, tritt Stillstand ein.
Aber erst wenn der Entspannugszustand wieder ein bisschen tiefer geworden ist, ist es möglich den Zielen wieder näher zukommen.
Lasst eure Ziele los! Trainiert, weil ihr etwas für euch machen wollt, weil ihr danach so ruhig schlafen könnt, …
Vergleicht euch nicht mit den anderen Trainierenden! Ihr wisst nicht welche Ziele sie haben, wie wichtig Ihnen das Training ist und wie viel Zeit sie haben um zu trainieren. Vielleicht wollen andere nur ein bisschen Sport machen, wogegen andere planen einen Beruf daraus zu machen.
Alles das was ihr über das Training wisst, über mögliche Ziele, was man spüren kann oder sollte, … sind nur Wegweiser, die ihr vielleicht gar nicht braucht, oder zu einem anderen Zeitpunkt entdeckt, oder anders empfindet. Stellt euch vor ihr geht durch eine Landschaft in der ihr noch nie gewesen seit. Zur Orientierung habt ihr nur einige mündliche Hinweise, was an der einen Stelle gesehen werden kann, …
Zu Beginn werdet ihr euch ohne Hilfe verlaufen! Deswegen müsst ihr immer wieder jemanden der sich auskennt nach dem Weg fragen. Zwischendurch erkennt ihr von alleine den einen oder anderen Wegweiser. Manchmal musstet ihr auch im Kreis laufen, um den Wegweiser zu erkennen. Irgendwann findet ihr euch so gut zurecht, dass ihr wisst, in welche Richtung ihr laufen müsst. Dann habt ihr die Trainigsmethode verstanden und für euch die richtige Richtung gefunden. Und dann ist:
                                             Der Weg das Ziel

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Bewegung lernen Stufe 3

Die Vorraussetzungen, um mit Stufe 3 beginnen zu können ist zum einen das Körpergefühl der Stufe 3 und zum anderen ein gutes Gefühl für unsere Körperhaltung, so dass wir die Haltung ohne große Aufmerksamkeit umsetzen können. Wir haben also wieder Kapazitäten frei, um unsere Aufmerksamkeit auf andere Aspekte der Bewegung lenken zu können. Durch das Umsetzten der Haltungsaspekte, haben wir ein stabiles Gefäß geschaffen, in dem wir Neues entdecken können. Ist das Gefäß allerdings nicht stabil genug, so werden wir es nicht schaffen uns systematisch an die neuen Aspekte von Bewegung heranzuarbeiten.

Das Ziel der Stufe 3 ist dann die „perfekte Bewegung“! Hört sich gut an, werden wir aber nie erreichen, da wir uns immer nur weiter verbessern können. Deswegen möchte ich einige „kleinere“ Ziele nennen, die sich auf verschiedenen Niveaustufen einstellen. Die Reihenfolge der Ziele bezieht sich auf meine persönliche Erfahrung. Sie kann gegebenenfalls auch variieren.

1. Wir spüren der Fluss unserer Körperflüssigkeiten, also das flüssige Qi.

2. Wir spüren unsere Dan Tien Bewegung. (Dan Tien = Energiezentrum im Unterbauch)

3. Wir können die Dan Tien Bewegung mit dem Fluss der Energie zusammen spüren.

4. Wir verstehen die Dan Tien Bewegung.

5. Das Dan Tien übernimmt die Steuerung der Bewegung.

Wenn wir verschiedene energetische Spannungszustände in unserem Körper spüren können, dann ist es wichtig, dass wir in den Endpositionen der Bewegungen innehalten, um den sich eingestellten Zustand zu spüren. So werden nach und nach die Endzustände deutlich. Unterteilen wir nun unsere Bewegungen wieder immer feiner, wie in Stufe 2, so spüren wir nach und nach wie sich die Körperspannung durch unseren Körper zieht und wie sie sich mit der Bewegung verändert. Wir können das z.B. durch das Heben und Senken eines Armes üben. Wobei wir bei einer solchen singulären Bewegung schon ein sehr gutes Körpergefühl brauchen. Wir können spüren, wie sich der Spannungszustand in unserem Körper bei einer Gewichtung, Hüftdrehung, … ändert. Nach und nach spüren wir dann, dass die Übergänge fließend sind. Wir spüren den Fluss der Energie.

Je zentrierter wir durch die Verbesserung unserer Körperhaltung werden, desto stärker wird unser Dan Tien-Gefühl. Mit den oben genannten Unterteilungen von Bewegung und dem stärker werdenden Dan Tien Gefühl, können wir nun systematisch die Dan Tien Bewegung untersuchen. Nach und nach werden wir dann Zusammenhänge zwischen der Dan Tien Bewegung und dem Energiefluss erkennen. Wenn wir die Dan Tien Bewegung besser verstehen und den Energiefluss spüren, können wir anfangen einen wichtigen Aspekt von Bewegung umzusetzen. Die Idee ist, dass wir eine Bewegung denken, dass Dan Tien führt die Bewegung aus und der Körper folgt der Dan Tien Bewegung. Dazu müssen wir loslassen und den Startpunkt der Bewegung bewusst in unseren Unterbauch legen um die Bewegung dort starten zu lassen. Der Prozess kehrt sich also um! Haben wir am Anfang unseres Trainings uns mit der Bewegung der Hände beschäftigt, um nach und nach über die Körperhaltung zum Dan Tien zu kommen, versuchen wir es nun umgekehrt. An dieser Stelle lässt sich auch verdeutlichen, wie wichtig die richtige Idee der Bewegung ist. Ich wäre niemals von alleine auf die Idee gekommen, den Prozess umzudrehen! Hätte ich die Idee also nicht durch meinen Lehrer Gerhard Milbrat vermittelt bekommen, dann könnte ich den Prozess nur bis dort hin weiter verfeinern. Betrachten wir nun das ganze aus der Sicht der Kampfkunst, dann müssen wir noch einen Schritt weiter gehen. Viele Kampfsituationen ergeben sich so schnell, dass ein Bewusstes vordenken von Bewegung nicht mehr möglich ist. Wir müssen dann auf unsere Intuition und sich der daraus ergebenen Bewegung des Dan Tien vertrauen. Die Stufe des bewussten Denken muss also in solchen Situationen übersprungen werden.

Die häufigen Fehler in dieser Stufe sind das Vernachlässigen der Bewegungsprinzipien und der Messmethoden. Wir freuen uns so über das Erreichte und wollen nur noch spüren. Eine systematische Untersuchung ist dann allerdings nicht mehr möglich. Die Aufmerksamkeit für die Haltung lässt dann oft nach, so dass wir eigentlich Rückschritte machen. Nur wenn wir die Bewegung nach genauen Prinzipien unterteilen, können wir den Energiefluss und das Dan Tien Gefühl identifizieren. Wenn ich spüre, wie sich eine hebende Bewegung anfühlt, wenn ich den Energiefluss und die Dan Tien Bewegung dazu kenne, werde ich in vielen anderen Bewegungen kleine, nicht so deutliche hebende Bewegungen spüren können. Die Bewegung wird mir somit viel klarer und ich kann sie wieder feiner unterteilen.

Ich weiß nicht, ob es eine sinnvollere Einteilung der Bewegungsstufen gibt, oder ob die Einteilung in Stufen überhaupt Sinn macht. Die Übergänge zwischen den Stufen sind immer fließende und wir müssen immer auch wieder zurück zu den Anfängen, also der Stufe 1. Drei Punkte wollte ich allerdings ganz klar herausarbeiten:

1. Wir brauchen eine klare, weitreichende Idee von dem was Bewegung alles sein kann!

2. Wir brauchen eine klare Methodik, damit wir uns in dem ganzen Thema nicht verlaufen. Dan Tien, Energie, Haltung, Körpergefühl, … sind ganz klare, spürbare Aspekte, die ich mir mit einer richtigen Vorgehensweise nach und nach erschließen kann.

3. Wir brauchen viel Zeit, Ausdauer und Durchhaltevermögen. Wenn wir also nach einem Jahr Training noch nicht bei Stufe 3 angekommen sind, dann ist das völlig normal!

Nur mit Geduld und viel Fleiß kommen wir weiter.

Meister Sun sagt dazu: „Es gibt keine Abkürzung, nur Fleiß führt zum Ziel.“